Mehr Geld, Übernahmegarantien für Azubis und eine Verlängerung bestehender Altersteilzeitregelungen – das waren die zentralen Forderungen der Gewerkschaft ver.di für die rund zwei Millionen Tarifbeschäftigten, als sie am Mittwoch in Tarifverhandlungen mit dem Bund und den Kommunen zog. Das Hauptargument der Arbeitnehmervertreter für das Paket mit einem Gesamtvolumen von fünf Prozent: Die Einkommen im öffentlichen Dienst seien seit dem Jahr 2000 hinter denen in anderen Wirtschaftsbereichen deutlich zurückgeblieben. Eine Anhebung der Gehälter könne die Binnennachfrage in Deutschland ankurbeln und somit zur wirtschaftlichen Erholung beitragen. Das werde möglicherweise auch wieder zu höheren Staatseinnahmen führen.

Tatsächlich stiegen die Brutto-Tarifgehälter seit 2000 in der gesamten Wirtschaft nominal um 21,4 Prozent und in der Metallbranche sogar um 27,4 Prozent. Bei den im Staatsdienst beschäftigten Arbeitnehmern in den alten Ländern legten die Tarifvergütungen dagegen nur um 17 Prozent zu. Aktuell zahlt der Bund seinen tariflich eingestuften Arbeitnehmern durchschnittlich 2430 Euro brutto monatlich, Mitarbeiter der Kommunen erhalten 2500 Euro im Monat. Die Vielfalt der Berufe ist ebenso groß wie der Unterschied der Gehälter: So bekommt eine 22-jährige Sekretärin ohne Berufserfahrung etwa 1833 Euro brutto, eine 34-jährige Ärztin mit Berufserfahrung am Universitätsklinikum über 4070 Euro.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 2,65 Millionen öffentliche Arbeiter und Angestellte, davon knapp 150.000 beim Bund und etwas mehr als eine Million bei den Kommunen. Der Rest arbeitet für die Länder oder zum Beispiel bei der Bundesagentur für Arbeit sowie der Deutschen Bundesbank. Für sie gelten eigenständige Tarifverträge. Die Besoldung der Beamten wird gesetzlich geregelt.

Die Hälfte der beim Bund angestellten Arbeitnehmer ist im Bereich Verteidigung beschäftigt, etwa in der Bundeswehrverwaltung. Bei den Kommunen heißt der größte Aufgabenbereich "Soziale Sicherung, soziale Kriegsfolgeaufgaben und Wiedergutmachung", dazu gehören zum Beispiel die Mitarbeiter von Jugendämtern und Altenheimen. Der nach Arbeitnehmerzahl zweitgrößte Bereich ist mit mehr als 176.000 Mitarbeitern die Verwaltung und politische Führung, zu der nicht nur die Beschäftigten in den Amtsstuben, sondern auch Bürgermeister und Landräte gehören. Zusätzlich beschäftigen die Kommunen noch fast eine Million Menschen in kommunalen Unternehmen – auch sie fallen unter den Tarifvertrag.

Den Forderungen von ver.di halten die Arbeitgeber entgegen, dass angesichts der Haushaltslage höhere Einkommen kaum zu finanzieren seien. Der Bund hat rund eine Billion, die Kommunen etwa 110 Milliarden Euro Schulden. Stiegen die Löhne, müsse Personal entlassen werden, heißt es bei den Arbeitgebern. Besonders die Kommunen wenden einen großen Teil ihre Haushalte für Personalausgaben auf; 2008 waren es 25,2 Prozent. Beim Bund geht jeder achte Euro an die Beschäftigten.