Der biologische Fachbegriff für die Jungfernzeugung ist Parthenogenese. Und bei vielen Tierarten nutzen die Weibchen diesen Trick, um sich – vor allem in Notzeiten – ohne die Mitwirkung eines Männchens fortzupflanzen. Parthenogenese gibt es bei Würmern, Wasserflöhen oder Blattläusen. Auch bei Eidechsen ist sie beobachtet worden. Aber Truthühner?

Im Jahr 1953 stellte der amerikanische Agrarforscher Marlow Olsen fest, dass sich 14 Prozent der Eier des Beltsville Small White Turkey parthogenetisch entwickelten. In den unbefruchteten Eiern, die normalerweise nur einen einfachen Chromosomensatz von der Mutter enthielten, hatte sich dieser zu einem vollständigen Genom verdoppelt, und die Entwicklung eines Embryos begann.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Vögel haben keine X- und Y-Geschlechtschromosomen wie der Mensch, sondern ein System aus W und Z, wobei ein Weibchen das Chromosomenpaar WZ besitzt und ein Männchen ZZ. Ein überlebensfähiger Embryo kann nur durch die Verdoppelung des Z-Chromosoms entstehen und ist immer ein Männchen.

Olsen und seinen Kollegen gelang es bis 1971, durch Züchtung die Parthogenese-Rate ihrer Truthühner auf 22 Prozent zu erhöhen, und aus einem von sieben dieser Eier schlüpfte tatsächlich ein gesundes Truthähnchen. Die Forscher hofften, dass die ungeschlechtlich erzeugten Vögel für die Züchter Vorteile hätten, weil sie genetisch zwar nicht – wie beim Klonen – mit der Mutter identisch sind, aber doch sehr eng verwandt. In den vergangenen 40 Jahren sind die Forschungen dann aber nicht weitergeführt worden.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio