Beizeiten lernt der Mensch Ja und Danke sagen. Kindern kommt ein Nein ungestüm über die Lippen. Sie wissen noch nichts vom Mut, den ein markiges Nein braucht. Bei den meisten verliert sich das Neinsagen später wie die blaue Augenfarbe junger Katzen. Diese Leute flüchten sich in ein "Nicht wirklich" und denken, dass sie so das berühmte Türchen offen lassen, durch das sie ohnehin nicht gehen würden. "Otto, hast du den Müll runtergebracht?" – "Nicht wirklich." Dies zieht zäheren Ärger nach sich, als wenn Otto "Nein!" gesagt hätte. Sein Tag ist dahin. "Schatz, erinnerst du dich noch…?" – "Nicht wirklich." Ein Nein hätte die Empörung kurz zur Ader gelassen, aber so werden Zweifel die Zweisamkeit umranken. "Mut ist, was uns nottut", sagte Fontane. Nottut oftmals ein Nein, um sich Lebensmüll und trübe Erinnerungen vom Leibe zu halten.

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