Die Luxushotellerie hat viel mit der Modewelt gemein. Jeder Konzern vermarktet sich inzwischen als "Label" und versucht in den führenden Städten der Welt präsent zu sein. Dazu gehört inzwischen auch die marokkanische Königsstadt Marrakesch. In den kommenden Wochen und Monaten eröffnen hier ein Grand Hyatt, ein Shangri-La, ein Mandarin Oriental, ein Rocco Forte und das Royal Mansour inmitten der Medina – mit 53 Villen, Pool auf dem Dach und unterirdischen Gängen für den Service. Das älteste Haus am Platz, das legendäre Hotel Mamounia, hat die Konkurrenz rechtzeitig gewittert und vor knapp vier Jahren eine aufwendige Renovierung begonnen. Mit 120 Millionen Euro und 1400 Handwerkern verhalf der französische Innenarchitekt Jacques Garcia dem Hotel zu dem, was man als Haute Couture bezeichnet könnte. Und um das vorwegzunehmen: Die Schau ist perfekt inszeniert, man ist bezaubert vom Entwurf und dem Stoff des Kleides, nur darf man nicht auf die Füße schauen, denn an den Schuhen wurde leider gespart.

Aber erst einmal zur sogenannten Location: Das Hotel thront als ein sandfarbener Palast zwischen Stadtmauer und Medina, die Lage ist einzigartig. Der König von Marokko schenkte es 1923 seinen Söhnen als Stätte des Vergnügens und der Entspannung. Schon Churchill und die Hayworth haben hier residiert. Wie damals wird nicht jedem Einlass gewährt, zwei Türsteher taxieren die Gäste am Haupttor des Hotels. Wer zur Show zugelassen ist und die staubgeplagten Straßen der Stadt hinter sich lässt, betritt eine andere Welt. Schwere Teppiche auf dem Marmorboden schlucken das Geräusch der Schritte. Goldene Kissen liegen auf Polstern, die mit fein gekämmten, purpurroten Stoffen bezogen sind, unter geschnitzten Kassettendecken hängen Kronleuchter aus Murano-Glas. Hier wird man nicht von Richard Clayderman besäuselt, sondern von marokkanischer Instrumentalmusik. Sie wurde eigens für das Haus komponiert, ebenso wie das angenehme Parfüm aus Blütenessenzen, dessen Duft dezent durch die Lobby wabert. Ein überaus hübscher Angestellter bittet einen, zum Einchecken Platz zu nehmen, verschwindet dann kurz mit dem Reisepass, und während man die Blicke schweifen lässt, reicht jemand ein Erfrischungstuch und Minztee.

Von der Lobby kann man durch die Bar bis ans hintere Ende des hoteleigenen Parks schauen. Diese Sichtachse bildet so etwas wie den Laufsteg. Um sie zu schaffen, hat Garcia den von alten Olivenbäumen gesäumten Hauptweg ein Stück versetzt. Draußen im Park riecht es nach Rosen und Orangen, überall stehen Palmen und Bananenstauden. Der quadratische Pool erinnert mit seinen Mosaiken an das Bassin im Innenhof der alten Koranschule von Marrakesch. Da liegt man dann am Beckenrand und wird wie in alten Tagen unterhalten und beköstigt, fast wie in einem Märchen: Ein junger Mann taucht plötzlich auf, er schiebt einen kleinen Wagen mit einem von roten Fransen gesäumten Baldachin vor sich her. In dem Wagen sind krosse Waffeln und feinstes Pistazieneis.