Wie viel Härte brauchen Manager in der Krise? Heute Nachmittag um 16.00 Uhr wird Bernhard Fischer-Appelt, Chef der Agentur fischerAppelt, in den Kommentaren zu diesem Artikel Ihre Fragen beantworten.Welchen Führungstypus brauchen Unternehmen derzeit? Härte oder Menschlichkeit? Visionen oder Pragmatismus? Schreiben Sie Ihre Fragen jetzt schon in die Kommentare.

Da hilft kein Verdrängen: Die wirklichen Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise stehen uns erst bevor. Das sagen uns die Wirtschaftsweisen. Und wir wissen es. Nur: Wer managt die Krise? Wer übernimmt die Verantwortung? Der Business-Philosoph Tom Peters ist davon überzeugt, dass Management wohl vor allem die Produktion kommunikativer Störungen sei. Was im Umkehrschluss bedeutet: Wer alles in Watte packt und weichspült, wer den Menschen Märchen erzählt, wer Inhalte glättet statt schärft, verliert den Anschluss. Modernes Management muss diese Störungen nicht nur akzeptieren, sondern kultivieren.

In diesen Wochen ziehen viele Konzerne übers Jahr 2009 Bilanz. Einige Manager müssen sich ob ihrer Fehler und bisweilen Verfehlungen rechtfertigen. Etwa dafür, dass sie zur falschen Zeit das Falsche getan haben und ihr Unternehmen in der Finanz-, Wirtschafts- und Vertrauenskrise nicht ruhig und gelassen durch den Sturm lenkten – siehe Toyota.

In Deutschland prägt zunehmend eine unbarocke, unprätentiöse Manager-Generation einen neuen Stil. Weil sie rechtzeitig in Deckung gegangen sind? Sicher nicht. Männer wie René Obermann (Deutsche Telekom), Frank Appel (Deutsche Post) oder Wolfgang Mayrhuber und sein Vize Christoph Franz von der Lufthansa zeigen in den individuellen Krisen klare Kante. Sie handeln pragmatisch. Vor allem haben sie die derzeit notwendige Haltung: Sie stehen zu ihren Prinzipien und Entscheidungen. Ihre Überzeugung ist überraschend einfach. Unangenehmes muss offen ausgesprochen – oder besser stringent abgearbeitet werden.

Im Dax ist heute fast jeder vierte Vorstandschef Ausländer. Wirtschafts- und Naturwissenschaftler dominieren, und fast zwei Drittel waren beruflich im Ausland. Marketing und operatives Management und damit die Einsicht in Kommunikation als Bestandteil der Unternehmensstrategie gewinnen an Bedeutung. Zumal sich die Kommunikationswelt dank Internet und Social Media so komplex und demokratisch wie nie zuvor präsentiert.

Bei vielen Managern und bei den meisten Unternehmenssprechern und PR-Profis ist dieser Paradigmenwechsel in der Kommunikation jedoch noch nicht angekommen. Dabei sind sie jetzt gefordert, darauf zu reagieren, bevor der öffentliche Meinungsraum an Langeweile und Gleichförmigkeit erstickt.

Stephan A. Jansen, Präsident der Zeppelin University, meinte kürzlich, dass wir es mit einer mediatisierten Gesellschaft der paradoxen Stakeholder-Interessen zu tun hätten und Manager daher schnell zu Künstlern des Weder-noch und des Sowohl-als-auch würden. Um dem zu entkommen, müssen Manager statt dröger und widersprüchlicher Daten, Fakten und Zahlen etwas anderes erzählen – Geschichten. Geschichten, die Dinge in erklärende Zusammenhänge rücken und Klarheit schaffen.

Der moderne Manager muss einen neuen, geschärften Kommunikationsstil pflegen. Für die Arbeit der beteiligten Presseabteilungen und Unternehmenssprecher bedeutet das: Dinge beim Namen nennen und auf den Punkt kommen, Pointen schärfen statt glätten, Konflikte aushalten und sie nicht in scheinheilige Harmonie auflösen wollen.