2. Mit anderen Worten, wir stehen noch recht nahe am Abgrund. Was hat die Politik jetzt zu tun?

Man muss jetzt erst einmal das drängendste Problem lösen: Griechenland vor dem Staatsbankrott retten. Hinter den Kulissen ist das bereits, trotz des öffentlichen Hin und Her, eine beschlossene Sache. Es geht nur noch um das Wie: Soll der Internationale Währungsfonds mitmischen oder nicht (Der Bundesfinanzminister und die Europäische Zentralbank sind dagegen, weil sie fürchten, dass der von den Amerikanern dominierte Fonds in Europa Einfluss nimmt, die Kanzlerin sieht die Sache gelassener)? Welchen Anteil an den Kosten muss Deutschland tragen, die finanzstärkste Volkswirtschaft im Euro-Raum?

All das wird in den kommenden Tagen entschieden. Für Deutschland wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Teil der griechischen Staatsanleihen aufkauft. Das ist für den Steuerzahler nicht zwingend mit Verlusten verbunden, denn die Griechen müssen der KfW das Geld mit Zinsen zurückzahlen. Es sei denn, sie verweigern eines Tages die Rückzahlung komplett.

Langfristig hat die Politik aber eine noch viel umfangreichere Aufgabe zu schultern. Die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft müssen weg. Länder wie Griechenland, aber auch die USA oder Großbritannien haben über ihre Verhältnisse gelebt, viel konsumiert und sich das Geld dafür anderswo besorgt. Andere Länder wie Deutschland oder Japan haben dagegen vergleichsweise wenig konsumiert, aber die Weltmärkte mit ihren Exportgütern beglückt. Auch deshalb sind jetzt viele Länder in Finanznöten.

Das Problem dabei: Alle Erfahrung zeigt, dass es sehr schwer ist, die Schulden allein durch Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in den Griff zu bekommen. Eine hastige Sparpolitik kann sich bei dem Unterfangen sogar als kontraproduktiv erweisen, wenn die Konjunktur gebremst wird. Dann leiden übrigens auch Exportländer wie Deutschland. Wenn Griechen, Amerikaner, Briten und Spanier gleichzeitig sparen, fehlt hierzulande die Nachfrage.

Ein kleines Rechenbeispiel: Um die Staatshaushalte in Südeuropa wieder in Einklang mit den europäischen Regeln zu bringen, wären Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen in Höhe von rund 120 Milliarden Euro nötig. Das entspricht etwa dem Wert der deutschen Ausfuhren in jene Staaten, die sich auf 102 Milliarden Euro belaufen. Es ist deshalb auch im deutschen Interesse, wenn die Schuldenstaaten nicht allzu rabiat sparen – und im Notfall Unterstützung aus dem Ausland erhalten.

Im Idealfall würde der Etat über höheres Wachstum konsolidiert werden, dann verschwindet zumindest ein Teil der Schulden fast von selbst. Nur ist es im Augenblick in den USA, in Großbritannien oder Südeuropa schwierig, mehr Wachstum zu erzeugen. Man kann beispielsweise nicht einfach den Konsum zusätzlich anregen und auf diese Weise die Wirtschaft beleben. Die privaten Haushalte sind dort mindestens genauso überschuldet wie der Staat. Das war ja ein wesentlicher Bestandteil der großen weltwirtschaftlichen Schieflage, der in die Krise führten.

Gesünder wäre es jedenfalls, wenn Länder mit Problemen jetzt mehr Investitionen wagten. Sprich: Geld leihen und es produktiv investieren, sodass in den kommenden Jahren zusätzliches Wachstum entsteht. Den zu bezahlenden Kreditzinsen stehen dann entsprechende Einnahmen gegenüber. Es geht den Amerikanern und Briten ja auch deshalb schlecht, weil sie ihr Kapital in den Bau von Einfamilienhäusern gesteckt haben, statt den Maschinenpark zu modernisieren.