3. Welcher Unternehmer steckt in einer solchen Lage Geld in Zukunftsprojekte?

Bei aller Ambivalenz in den Wirtschaftsdaten dieser Tage, eines ist eindeutig: Die Welt investiert zu wenig. Insgesamt nehmen die privaten Firmen in den Industriestaaten derzeit gut sieben Prozent mehr ein, als sie wieder ausgeben. Die Wirtschaft hortet Kapital oder löst Schulden auf, um von dem riesigen Berg an Ausständen herunterzukommen. In den USA etwa hatten die Privaten im Boom Schulden aufgenommen wie nie zuvor.

Das alles ist nicht gerade der Stoff, aus dem ein sich selbst tragender Aufschwung gemacht ist. Und gerade deshalb gilt: Stützten die Staaten die Konjunktur nicht massiv, wären wir längst in der Depression gelandet. Tatsächlich gibt es aber gute Gründe für Unternehmen, gerade in der Krise massiv zu investieren. Genau jetzt, während alle sparen, können sie mit kräftigen Investitionen dauerhaft Marktanteile gewinnen. Das erklären etwa die Experten der Boston Consulting Group, David Rhodes und Daniel Stelter, in einem Buch über Krisenstrategien.

Doch selbst wenn die Unternehmenslenker das wollen, bleibt noch ein anderes Problem: Das Kapital ist knapp geworden. Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat gerade vor einer breitflächigen Kreditklemme gewarnt. Die würde bedeuten, dass die Banken selbst exzellenten Schuldnern kein Geld mehr bewilligen. Tatsächlich übertreiben Banker gerne, im Boom sind sie zu mutig, in der Krise zu vorsichtig. Nun müssen viele Banken gerade wieder Kapital abschreiben oder niedriger bewerten als zuvor, Anleihen für Griechenland ebenso wie Kredite an marode Firmen. Und je mehr der Aufschwung infrage steht, umso weniger werden sie sich auf neue Kredite einlassen. Ob nun die Firmen zuerst von selbst Kredite meiden oder die Banken prinzipiell Nein sagen – es droht eine Kapitalspirale nach unten. Um Abhilfe zu schaffen, sollte auch Berlin mehr über eine Politik für Investitionen und Innovationen reden. Und zwar dringend.