4. Hieß es nicht 2009, dass China, Brasilien und Co. uns mit ihrer Nachfrage aus der Krise helfen?

Zunächst einmal: Irgendwer auf der Welt muss künftig mehr konsumieren, damit sich anderswo das zusätzliche Produzieren und Investieren lohnt. Sonst können die globalen Ungleichgewichte nicht abgebaut werden. Wenn Amerikaner, Griechen oder Briten kürzer treten, müssen andere Länder als Verbraucher einspringen – neben Deutschland und Japan sind da vor allem die Schwellenländer gefragt.

Lange Zeit schien das kein Problem zu sein, denn Brasilien, Polen, Russland, Indien und andere waren unersättlich. Der (inzwischen von China überholte) Exportweltmeister Deutschland etwa verdankte diesen Ländern zwischen 2000 und 2007 ein Drittel des Zuwachses bei den Ausfuhren. Und unerwartet früh nach der Krise glänzten einige dieser Länder schon wieder mit beeindruckenden Wachstumsziffern. Bloß sind seither neue Zweifel daran gewachsen, dass dieser Aufschwung stabil und nachhaltig sein kann.

China beispielsweise hat zwar ein großes Programm für seine Binnenkonjunktur aufgelegt, setzt aber nach wie vor hauptsächlich auf Exporte. Doch war das nicht genau eine Ursache der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte? Auch Brasilien setzt auf den Exportsektor, und zwar maßgeblich auf Rohstoff- und Nahrungsmittelausfuhren an den Exportstar China. Und Russland wettet auf anziehende Öl- und Gaspreise, wenn in Exportstaaten wie China der Industriemotor wieder anspringt, so wie schon vor der Krise.

Schnell merkt man: Ein Weg zu einer balancierteren Weltwirtschaft wird da offensichtlich nicht gebahnt. Allen guten Wachstumskennziffern, die da auf den ersten Blick erkennbar sind, zum Trotz.