Seit dem kläglichen Ende des Kopenhagener Weltklimagipfels sind keine drei Monate vergangen. Diese kurze Zeit reichte allerdings aus, um aus Empörung über die ausgefallene Weltrettung pures Desinteresse werden zu lassen. Offensichtlich gibt es in Zeiten der sich neu verschärfenden Wirtschaftskrise Wichtigeres, als übers Wetter zu reden – zumal es nach dem kalten Winter so scheint, als sei alles nur halb so wild in Sachen Erderwärmung.

Von wegen. Erstens war der in Deutschland ungewohnt kalte Januar weltweit ungewöhnlich warm. Zweitens hat bisher niemand die zentrale Erkenntnis der Klimaforscher erschüttert, der zufolge der Mensch durch exzessiven Ausstoß von Treibhausgasen die weltweite Mitteltemperatur gefährlich ansteigen lässt. Und drittens wäre es eine großartig verpasste Gelegenheit, die Wirtschaftskrise bekämpfen zu wollen, ohne zugleich dem Klimafrevel Einhalt zu gebieten.

Dennoch, die Ignoranz feiert fröhliche Urständ. Während sich die hiesige Industrie gegen starre Klimaziele wehrt, bahnt sich, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, jenseits des Atlantiks erneut ein wirklich schwerer Rückschlag im Kampf gegen den Treibhauseffekt an. Weil der wichtigste potenzielle Partner, Amerika, voraussichtlich nicht mitspielt, steht Europas Plan, das eigene Emissionshandelssystem mit ähnlichen Systemen anderer Industrieländer zu verknüpfen, vor dem Aus. Der Motor der EU-Klimaschutzpolitik gerät damit ins Stottern. Und der Kampf gegen die Erderwärmung bliebe teurer, als er sein müsste. Es droht, und zwar schon kurzfristig, eine Klimakatastrophe ökonomischer Natur.

Dieser Tage wollen der Demokrat John Kerry, der Republikaner Lindsey Graham und der parteilose Senator Joe Lieberman zwar noch einmal den Versuch unternehmen, einen im US-Senat mehrheitsfähigen Vorschlag für ein umfassendes Klimaschutzgesetz vorzulegen. Er wird jedoch hinter den europäischen Hoffnungen zurückbleiben. Der ursprüngliche Plan, Amerikas Wirtschaft vor allem mittels Emissionshandel in Richtung Klimaverträglichkeit zu trimmen, ist in weite Ferne gerückt. Im Sommer vergangenen Jahres fand dieser Plan im Repräsentantenhaus immerhin noch eine knappe Mehrheit.

Im US-Senat standen die Chancen allerdings damals schon schlecht, unter anderem deshalb, weil Traditionsindustrien wie die Kohlewirtschaft dort stärker Gehör finden. Mittlerweile gelten im Senat allerdings selbst abgespeckte Versionen des Gesetzes kaum noch als durchsetzbar. Seine Gegner versteigen sich sogar zu der Behauptung, der Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) sei gut für die Natur. "CO₂ is green", lautet der Schlachtruf der Lobbyisten, und dem Kampf gegen den Emissionshandel widmen sie ihre Inbrunst. Allzu viele Senatoren teilen ihre Sicht.