DIE ZEIT: Was ist neu am EU-Auswahlverfahren?

Nikola Gillhoff: Künftig gibt es feste Termine. Im März für die allgemeine Verwaltung, im Juli für Dolmetscher und Übersetzer und im Dezember für Assistenten.

DIE ZEIT: Ändern sich auch die Prüfungen?

Gillhoff: Ja, das Verfahren soll stärker Kompetenzen abfragen: Im ersten Schritt wird in Multiple-Choice-Tests logisches Denken abgefragt. Die eigentliche Auswahl besteht aus einem Assessment-Center in Brüssel. Wer es erfolgreich durchläuft, kommt auf eine Liste. Die Institutionen der EU greifen darauf zurück, wenn eine Stelle frei ist.

DIE ZEIT:Warum wird das Verfahren verändert?

Gillhoff: Bislang sagten die Institutionen: Wir brauchen Juristen oder englischsprachige Sekretäre. Dann mussten wir herausfinden, wie viele Leute insgesamt gefragt sind, und machten danach die Ausschreibungen. Damit hinkten wir dem Bedarf aber zwei Jahre hinterher. Das Verfahren wurde in den fünfziger Jahren nach französischem Vorbild eingeführt. Seitdem sind wir von fast allen anderen Internationalen Organisationen überholt worden.

DIE ZEIT: Welche Voraussetzungen braucht man?

Gillhoff: Die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates und zwei der 23 EU-Sprachen, darunter Deutsch, Englisch oder Französisch als Fremdsprache. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Für das Verfahren im März braucht man einen Bachelor.

DIE ZEIT: Wie stehen die Chancen?

Gillhoff: Es geht um 330 Plätze, gut 1000 Bewerber kommen in die Endrunde. Wir rechnen im März mit etwa 50.000 Bewerbungen. Deutsche Kandidaten sind traditionell unterrepräsentiert, aber im Verfahren überdurchschnittlich erfolgreich.

Nikola Gillhoff arbeitet beim Amt für Personalauswahl. Die Fragen stellte Judith Scholter.