Das hat man alles schon mal gehört, ebenso wie den scheinheiligen Verweis darauf, dass es leider, leider immer noch zu wenige Kandidatinnen gebe, die den Anforderungen gewachsen seien (während entsprechende Männer offenbar an jeder Ecke zu finden sind). Selbst das Argument vom vergifteten Geschenk macht wieder die Runde. Die Herren in ihren Aufsichtsrats- und Vorstands-Freischwingern lehnen sich zurück und warten ab: Lass sie doch ran, die kleine Blonde im Hosenanzug. Sie wird sich fein blamieren.

Wird sie nicht. Dass Mädchen in der Schule schneller lernen, dass Studentinnen die besseren Examina machen und dass Frauen sehr wohl diszipliniert genug sind, Erwerbs- und Familienarbeit parallel zu leisten, ist bekannt. Und dennoch stimmt es eben immer noch, das Bild von der gläsernen Decke, hart wie Beton, an der junge Akademikerinnen auf dem Weg nach oben scheitern. Es wird sie nicht restlos zufriedenstellen, von einem 30-Prozent-Zahlenschlüssel zu profitieren. Aber ohne Nachhilfe bewegt sich nichts – und nachhelfen sollten auch jene Profi-Frauen, die schon ein paar Stufen weiter oben stehen.

Nach den vielen Sonntagsreden: Endlich ein konkreter Plan

Die wenigen weiblichen Aufsichtsräte wissen im Übrigen sehr genau, dass die Macht in diesen Zirkeln immer noch ungleich verteilt ist. Dax-Chefs verstehen einiges in Bewegung zu setzen, ehe sie freiwillig ein Stück zur Seite rücken – für die bunte Reihe mit Kolleginnen. Aber dem einen oder anderen dämmert auch, dass die globale Wirtschaftskrise etwas mit alten Denkmustern, mit überholten Strategien zu tun gehabt haben könnte. "Mit Lehman Sisters wäre das nicht passiert", stellte Mary Iskenderian fest, CEO der Women’s World Bank. "Die Top-Männer sind daran gescheitert, ein Bauchgefühl nicht rationalisiert zu haben", drückt es eine Insiderin aus. "Wir Frauen können ihnen zeigen, was daran falsch ist."

In den vergangenen zehn Jahren, so sieht es nämlich aus, sind viele der Kämpferinnen, die sich in Spitzenjobs vorgearbeitet hatten, umstandslos wieder hinauskomplimentiert worden – Abteilungsleiterinnen in der Automobilbranche, Personalvorstände in Dienstleistungsunternehmen, Filialleiterinnen in Großbanken. Noch vor Kurzem hatten Arcandor und MAN eine Frau im Vorstand. Aus und vorbei.

Die Telekom traut sich. Nach vielen Sonntagsreden, nach halbherzigen Versprechen und kompletter Verweigerung endlich ein konkreter Plan: Frauen werden bevorzugt berücksichtigt bei der Bewerbung. Ob davon eine Signalwirkung ausgeht, hängt nicht zuletzt von den Frauen selbst ab. Die Betriebswirtinnen, Diplom-Ingenieurinnen und IT-Profis, die in Bonn nun gefragt sind, müssen den Finger heben. Ausflüchte wie "Zu anstrengend", "Deren Macho-Spiele sind mir zu blöd" oder "Meine Familie ist dagegen" zählen nicht mehr. Wer drin ist, ist drin. Darauf kommt es an.

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