Wer an Automaten einer fremden Bank Geld abhebt, erlebt immer häufiger eine unangenehme Überraschung. Die Gebühren für diese Dienstleistung sind drastisch gestiegen: Kunden zahlen nach einer Erhebung der Frankfurter Finanzberatung FMH im Schnitt 5,64 Euro fürs Fremdgehen, das sind 64 Cent mehr als noch vor einem Jahr. Manch einer muss bis zu zehn Euro berappen. "Die Preisspirale bewegt sich nach oben", stellt Frank Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband fest. Er untersucht, ob sich die Preistreiberei mit rechtlichen Mitteln bekämpfen lässt: "Wenn wir eine Chance sehen, werden wir vor Gericht ziehen."

Inzwischen prüft sogar das Bundeskartellamt die Beschwerden mehrerer Bürger und Banken. An mehr als 280 Kreditinstitute hat es Fragebögen verschickt, um zu klären, ob die Gebühren überhöht sind – und ob Banken auf diesem Wege den Wettbewerb behindern, andere Institute diskriminieren oder eine marktbeherrschende Stellung missbrauchen. Die Ermittlungen richten sich gegen private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken gleichermaßen und fokussieren sich auf bundesweit tätige Institute sowie vier Bundesländer. Am Mittwoch dieser Woche (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) hat sich nun auch die Politik mit dem Thema befasst: Vor dem Verbraucherschutzausschuss des Bundestags sollten Branchenvertreter und Experten erklären, ob die Gebühren in ihrer Höhe gerechtfertigt sind und wie sie für Kunden transparenter werden können.

Dass die Gebühren steigen, liegt an einem Streit, der hinter den Kulissen tobt, und zwar vor allem zwischen Direktbanken und Sparkassen. Die Direktbanken wollen, dass ihre Kunden möglichst günstig Geld ziehen können – ohne jedoch selbst ein flächendeckendes Automatennetz aufzubauen. Vor allem die Sparkassen wollen das nicht einfach so hinnehmen; sie verfügen unter allen Bankengruppen über das größte Automatennetz.

Der Konflikt begann vor 13 Jahren. Zuvor hatte lange Zeit eine einheitliche Gebührenordnung gegolten: Hob etwa ein Sparkassenkunde Geld an einem Automaten der Commerzbank ab, durfte die Commerzbank der Sparkasse bei Abhebungen bis zu 400 D-Mark höchstens vier D-Mark berechnen, bei allem, was darüber hinausging, ein Prozent des abgehobenen Betrags. Damit kompensierte die Bank, dass sie einem fremden Kunden ihre Dienstleistung erbracht hatte. "Dieses Entgelt hat man damals noch eins zu eins an die Kunden durchgereicht", sagt Christoph Strauch von der Unternehmensberatung Paysys, die auf bargeldlosen Zahlungsverkehr spezialisiert ist. Wer fremdging, zahlte also seiner eigenen Bank die vier D-Mark, diese gab das Geld an die Bank weiter, deren Geldautomat genutzt worden war.

Den Sparkassen gefiel es nicht, als zunehmend Banken ganz ohne oder mit nur wenigen Automaten auf den Plan traten, deren Kunden vor allem ihre Infrastruktur nutzten. "Direktbanken wurden auf einmal zum Massenphänomen", sagt Strauch. Verbieten durften die Sparkassen den Fremdkunden damals wie heute das Abheben mit EC-Karte nicht, das verhindert eine Abmachung zwischen den Verbänden der deutschen Kreditwirtschaft. Daher reagierten die Sparkassen, indem sie 1997 die freiwillige Gebührenverordnung aufkündigten.