I see a red door and I want it painted black
No colors anymore, I want them to turn black

Ich sehe eine rote Tür, und ich möchte sie schwarz anmalen / Keine Farben mehr – ich möchte alles in Schwarz verwandeln
Rolling Stones

Es war ein merkwürdiges Geschenk, das die nordrhein-westfälischen Grünen zu ihrem 30. Geburtstag von SPD-Landeschefin Hannelore Kraft überreicht bekamen: einen Sack geschredderter Dachlatten. Man muss in der Geschichte der Grünen ein ganzes Stück zurückgehen, um die Bedeutung dieses Präsents zu entschlüsseln. Im Jahre 1984 hatte der gelernte Betonfacharbeiter und hessische Ministerpräsident Holger Börner (SPD) den Grünen gedroht, Leute wie sie habe man früher auf dem Bau mit der Dachlatte traktiert. Ironischerweise war es dann Börner selbst, der im Dezember 1985 zusammen mit Joschka Fischer die erste rot-grüne Koalition aus der Taufe heben durfte. Doch der autoritäre, gelegentlich herablassende Ton gegenüber dem kleinen Partner gehörte seither dazu, wo immer die SPD mit den Grünen regierte.

Dass diese Zeiten endgültig vorbei sind, dass man die Grünen nicht mehr behandeln will wie einst Wolfgang Clement oder Peer Steinbrück in Düsseldorf oder Gerhard Schröder und Otto Schily in Berlin, das ist das Versprechen, das mit dem Sack voller Holzspäne in Düsseldorf überbracht wurde. Die Grünen, denen die zehn gemeinsamen Regierungsjahre in NRW von 1995 bis 2005 noch lebhaft in Erinnerung sind, nehmen es mit distanziertem Wohlwollen entgegen.

Ohnehin gibt es jetzt auch andere, die den Grünen Avancen machen. Zur 30-Jahr-Feier der Parteigründung im Januar hielt CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe eine Rede, in der er den Grünen "verlässliche Kooperation" anbot, wo immer sie sich ergeben sollte. "Verlässliche Kooperation", das klingt im Lichte der jüngsten Erfahrungen mit der Westerwelle-FDP fast schon wie ein strategischer Hilferuf. Er könnte schon bald erhört werden.

Für die Landtagswahlen in NRW prognostizieren die Umfragen seit Monaten den Machtverlust für das schwarz-gelbe Regierungsbündnis und eine Mehrheit für Schwarz-Grün. Dass die führenden Grünen sich eine Zusammenarbeit mit CDU-Leuten wie NRW-Integrationsminister Armin Laschet oder CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid vorstellen können, die bereits seit 15 Jahren gute Beziehungen zu ihnen pflegen, steht außer Frage. Als jüngst Bundesumweltminister Norbert Röttgen seinen Anti-Atom-Vorstoß exakt zum grünen Landesparteitag terminierte, wurde auch das als bewusstes Signal für Schwarz-Grün gewertet. Der Zeitpunkt war zwar Zufall, das Ziel eher nicht.

In Hamburg regiert bereits seit zwei Jahren eine schwarz-grüne Koalition. Und doch wäre das Düsseldorfer Exempel etwas anderes. Schwarz-Grün im größten Bundesland wäre wie der Countdown für den Bund, ein Präzedenzfall, vergleichbar der rot-grünen Koalition in Düsseldorf 1995, die den Bonner Machtwechsel 1998 vorwegnahm. Doch während bei Rot-Grün ideologisch verwandte Parteien regierten, wäre Schwarz-Grün die Verbindung zweier Partner, die sich über Jahrzehnte hinweg als Gegner begriffen und bekämpft haben. Es wäre – jenseits der kommunalen Ebene – der erste Versuch eines die Lager übergreifenden Bündnisses. Ein ziemlich spektakulärer Vorgang.

Doch in einer Gesellschaft, in der sich auf den Kampffeldern früherer Jahre – Integration, Einwanderung, Ökologie, Bildung oder Familie – die Konflikte entschärft haben, käme selbst Schwarz-Grün nicht mehr überraschend. Eher entspräche eine solche Koalition dem Trend, dass sich aus alten Streitfragen neuer Konsens entwickelt. Einfluss wäre wichtiger als Ideologie.

Noch fühlen die meisten Anhänger der Grünen links

Zwei Jahrzehnte schon dauert die Annäherung. Bereits 1987 sprach der damalige Grünen-Vorsitzende Lukas Beckmann von einer schwarz-grünen Perspektive, seit Anfang der neunziger Jahre wurde in Baden-Württemberg immer wieder einmal sondiert, und auch schon vor der letzten Landtagswahl in NRW trafen sich Jürgen Rüttgers und die grüne Frontfrau Bärbel Höhn nebst Fotografen zum gemeinsamen Spaziergang.

Jüngst aber hat die Geschichte schwarz-grüner Annäherung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Ausgerechnet die linke, hochalternative Parteichefin der Grünen, Claudia Roth, schloss in der Bild am Sonntag eine Koalition nicht mehr aus und fand dafür frauenbewegte Worte: "Ich verstehe mich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gut. Sie ist nicht ideologisch und eine kluge Frau." Kurzum: eine wie Claudia Roth.