Oder kennen wir es bereits? "DNA hat leider kein Gesicht", klagt Ian Tattersall vom American Museum of Natural History in New York . Allerdings hält er wie seine britischen Kollegen Mellars und Chris Stringer auch eine Abstammung von frühen Hominiden wie Homo heidelbergensis oder Homo antecessor für denkbar.

Bislang ist das Spekulation. Aber es wird offenkundig, wie vielgestaltig sich die Menschenfamilie ausgebreitet hat. Dem Exodus des modernen Menschen gingen mindestens zwei voraus: Auch Homo heidelbergensis , vielleicht Vorläufer der Neandertaler, hatte afrikanische Vorfahren. Homo erectus verließ den Heimatkontinent bereits vor über 1,6 Millionen Jahren (und kommt daher für den Denisova-Fund nicht infrage). "Heute gibt es nur eine Menschenform auf der Welt. Vor wenigen zehntausend Jahren hatten wir eine ganz andere Lage", sagt der Tübinger Anthropologe Nicholas Conard . "Wer weiß, was wir noch alles finden?" Waren die sibirischen Höhlenbewohner Nachfahren einer vierten Auswanderungswelle?

Klar ist, dass der moderne Mensch bei seinem Vormarsch überall auf Verwandte stieß: Die Hobbits auf der Insel Flores lebten dort noch vor 13.000 Jahren; man könnte auch mit Nachfahren des Homo erectus in Asien Bekanntschaft geschlossen haben. In Europa begegnete man Neandertalern – in Sibirien dem Alien vom Altai?

Keiner der Rivalen überlebte das Auftauchen des Homo sapiens . "Der Mensch ist etwas Besonderes. Und etwas sehr Gefährliches", sagt Ian Tattersall, "doch für diese Einsicht brauchen wir keine Fossilien. Wir müssen uns nur heute in der Welt umschauen."