Die Chefs mittelständischer französischer Unternehmen, mit denen sich die Ministerin zum Mittagessen trifft, haben allerhand auf dem Herzen. Die Steuerbelastung ist ihnen zu hoch, die Bürokratie zu groß, die geplante CO2-Abgabe zu belastend und die neue Pflicht für börsennotierte Firmen, 40 Prozent ihrer Aufsichtsratssitze mit Frauen zu besetzen, lästig. Christine Lagarde unterbricht das Klagelied mit einem kurzen Lachen. "Können Sie mir einen Gefallen tun: Hat einer von Ihnen auch etwas Positives zu berichten?" Die jüngste Kritik der französischen Wirtschafts- und Finanzministerin am deutschen Exportüberschuss ist in diesem Kreis kein Thema. "Ich schätze Madame Lagarde sehr", sagt später einer der Teilnehmer. "Aber als ich diese Äußerungen gehört habe, war ich doch sehr verwundert."