Die Logik dahinter ist schlicht: Weil wir mit Mäusen experimentieren, dürfen wir das auch mit Affen. Das Gegenargument ist leicht zu benennen: Wir dürfen es nicht, weil Affen eben keine Rinder oder Hühner sind, selbst wenn der Begriff "Tiere" sie unsauber zusammenbindet. Man müsste sich des Ernstes halber einmal vorstellen, dass Kenner der Affenpsychologie wie Jane Goodall oder Frans de Waal in der Kommission der DFG säßen. Was würden sie von den Experimenten halten?

Das wichtigste Argument, das Kreiter gegen seine Kritiker kennt, ist: Das Einpflanzen der Elektroden tut den Tieren nicht weh. Worin also soll das Verwerfliche bestehen? Nun, vielleicht darin, dass "die messbare Seite der Welt nicht die Welt ist. Sie ist die messbare Seite der Welt", wie der Frankfurter Philosoph Martin Seel schreibt. Wo bleiben die psychischen Schädigungen der Tiere? Schäden durch die Käfighaltung, durch Angst und Traumatisierung? Ein Hirnforscher, der den mutmaßlichen Schaden seiner Affen nur am physiologischen Schmerzempfinden misst, geht auf verblüffende Weise unter sein Niveau.

Erklären kann man dies nur moralpsychologisch: durch ein Denken, das zwei Dinge so im Gehirn speichert, dass sie dort nicht zusammentreffen. Die Erkenntnisse der Wissenschaft über die Psyche von Affen einerseits und ihre "Benutzung" für die eigenen Experimente andererseits.

Für Frans de Waal gibt es für Versuche an unseren nächsten Verwandten nur ein Kriterium: "Die Art von Untersuchungen, die wir auch an menschlichen Freiwilligen vornehmen würden." Immerhin gibt es in Deutschland seit 1991 keine invasiven Experimente mit Menschenaffen mehr. Das szientistische und das humanistische Weltbild haben sich hier erfreulicherweise vereint. Und auch die Lösung der Bremer Probleme dämmert schon am Horizont. Sie wird durch neue Generationen von Kernspintomografen und durch Computersimulationen kommen, die Kreiters Grundlagenforschung ersetzen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit. Die Forschungen, die heute noch als "Zukunft" gerechtfertigt werden, sind schon bald Geschichte.