ZEIT: Schämen Sie sich für umweltschädigendes Verhalten?

Strehle: So weit, dass ich mich schämen muss, lasse ich es nie kommen. Aber ich werfe mir vor, dass ich manche guten Vorsätze nur ganz langsam umsetze. Und mich dann damit herausrede, es sei zu wenig Zeit. Denn diese Ausrede haben alle.

ZEIT: Was hindert Sie, umweltfreundlicher zu leben?

Strehle: Nichts außer Zeitdruck. Ich kann von Bad Wiessee nach Nördlingen nicht zweimal in der Woche mit der Bahn fahren, weil die Verbindung zu schlecht ist und mein Terminplan zu voll. Ich kann deshalb auch nicht von Nördlingen nach Mailand mit dem Zug reisen. Dieses verhängnisvolle time is money- Denken ist eben sehr schwer aus dem Hirn und dem Leben zu bekommen.

ZEIT: Wie viele Flugmeilen und Autokilometer legen Sie pro Jahr zurück? Und gleichen Sie die verursachte Klimabelastung nachträglich aus? 

Strehle: Da kommt einiges zusammen. Ich versuche es ja durch Urlaubsplanung auszugleichen, vor allem aber durch bewussten Verzicht im Kleinen. Niemals Haare föhnen, sondern an der frischen Luft trocknen lassen. Fegen statt saugen. Laub rechen oder rechen lassen. Keine Geräte auf Stand-by rund um die Uhr laufen lassen.

ZEIT: Welches wäre die wichtigste umweltpolitische Reform?

Strehle: Der Abschied von der Wegwerfgesellschaft. Er beginnt, indem jede Hamburger-Schachtel, jeder Coffee-to-go-Becher mit einer Extrasteuer belastet wird. Er endet damit, dass wir Qualitätsbewusstsein trainieren. Gute Sachen, ob Häuser, Geräte, Möbel, Autos, Schuhe oder Kleider, sind reparaturwürdig und langlebig.

ZEIT: Glauben Sie, wir schaffen die Wende, bevor uns das Klima richtig zu schaffen macht?

Strehle: Nur dann, wenn es den Verantwortungsbewussten gelingt, die Verantwortungslosen in die Pflicht zu nehmen. Was hilft es, wenn wir Deutschen weltweit gesehen noch Musterschüler sind, aber den Chinesen oder den Amerikanern das egal ist? Dazu braucht es Vermittler, die überzeugen können, und vielleicht auch Strategien. Wenn wir als Kunden Produkte sabotieren, die ökologisch unverantwortlich hergestellt werden, auch wenn sie viel billiger sind als andere, werden wir gewinnen. Geiz ist eben nicht geil – sondern ökologisch meistens saudumm.

Gabriele Strehle, 60, kreiert als Chefdesignerin alle Modemarken der Strenesse AG, die ihren Sitz im bayerischen Nördlingen hat.

Die Fragen stellte Anne Kunze