Die Ökonomie lehrt das Denken in Alternativen. Was zählt, ist nicht, ob ein Geschäft gut ist, sondern ob es besser ist als ein anderes. Wenn nun also gesagt wird, es sei ein Skandal, dass die Deutschen für die Rettung der Griechen aus ihrer selbstverschuldeten Misere bezahlen müssten, dann ist das korrekt. Daraus folgt aber nicht, dass es falsch ist, Griechenland zu helfen. Das liegt an den Alternativen.

Erstens: der Staatsbankrott. Die Griechen würden einen Teil ihrer Kredite nicht mehr bedienen und mit niedrigerem Schuldenstand von vorn beginnen. Den Schaden hätten die Investoren, die ihnen das Geld leichtfertig geliehen haben. Darunter viele deutsche und französische Banken.

Eine Pleite wäre zu verkraften, doch würden auch noch Spanien, Italien, Irland und Portugal fallen, dann verlöre die deutsche Industrie rund zehn Prozent ihrer ausländischen Absatzmärkte, und das hiesige Bankensystem wäre praktisch ausgelöscht. Mit einem dreistelligen Milliardenbetrag sind Commerzbank und Co. in der europäischen Peripherie engagiert. Nach dem Untergang von Lehman Brothers sollte der Appetit auf neue Experimente mitten in einer der schwersten Finanzkrisen aller Zeiten eigentlich gestillt sein.

Zweitens: der Sparkurs. Warum füllen die Griechen nicht ihre Staatskassen durch neue Steuern und Ausgabenkürzungen auf? Dann brauchten sie andere nicht um Hilfe bitten. Antwort: Sie tun es bereits. Die Regierung hat eines der ambitioniertesten Sparprogramme der Wirtschaftsgeschichte aufgelegt. Mehr geht nicht, sonst kollabiert die Konjunktur, und die Kassen leeren sich wieder.

Für den Fall Griechenland gilt: Solidarität ist hier nicht die "Zärtlichkeit der Völker" (Che Guevara), sondern Interessenpolitik. Ein paar Milliarden für Notkredite auszugeben, die mit Zinsen zurückgezahlt werden, ist allemal günstiger als eine Pleitewelle im Süden. Zumal diese Krise eindrucksvoll gezeigt hat, dass Retten wirkt. Der Euro jedenfalls machte nach der Verkündung des Hilfsprogramms einen Satz nach oben.

Die Umfragekurve der Kanzlerin dürfte allerdings eher nach unten zeigen. Die Hilfen für die "Pleite-Griechen" (Bild) sind alles andere als populär. An der Stimmung im Volk ist Angela Merkel allerdings nicht unschuldig. Durch ihr wochenlanges Lavieren hat sie viel Glaubwürdigkeit verloren. Wer sich als eiserne Lady feiern lässt, um dann doch das Scheckbuch zu zücken, wird weder beim Wähler noch an den Finanzmärkten punkten.

Noch immer scheut sich die Regierung, die Dinge beim Namen zu nennen. Die Argumente erinnern bisweilen an die windigen Finanzkonstruktionen aus den Investmentbanken. Da heißt es, die Griechen nähmen die Hilfe vielleicht nicht in Anspruch. Als käme es darauf an! Wenn die Rettungsgarantie dazu führt, dass Investoren wieder Geld nach Athen tragen, dann ist dies – genau wie der verbilligte Zinssatz für die Kredite der Griechen – eine Form der Bezuschussung. Das liegt schon in der Natur der Sache. Eine Hilfe ohne Subvention ist keine Hilfe mehr.