Klack. Schon wieder. Eine Hand schiebt sich schützend vor die Flamme des Feuerzeugs. Tabak knistert. Schon kräuselt sich der blaue Dunst. Ein tiefer Lungenzug aus der Lucky Strike. Ohne Rauch geht’s nie, schon gar nicht in der amerikanischen Fernsehserie Mad Men . Die spielt in einer Werbeagentur im New York des Jahres 1960 und gibt Auskunft über eine Zeit, in der alles anders war. Ganz anders.

Die männlichen Protagonisten schwelgen unwidersprochen im Alltags-Chauvinismus, die Frauen gefallen sich als adretter Aufputz mit Spitztüten-BH. Allen gemeinsam ist jedoch der permanente Griff zum Glimmstängel. Gleichgültig ob im Büro, im Aufzug, im Kinderzimmer oder im Bett, ob hochschwanger oder kurz nachdem ein Herzinfarkt den Süchtigen beinahe dahingerafft hätte. Unverschämt feiert Mad Men, mit drei Golden Globes ausgezeichnet, die Droge. Dass die Schauspieler keine Luckies, sondern Kräuterzigaretten verglimmen – in Kalifornien ist Nikotin am Arbeitsplatz und damit auch am Film-Set streng verboten – zeigt, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten doch einiges verändert hat. Nach teils hysterisch geführten Kreuzzügen wurde in den USA Tabakgenuss konsequent aus dem öffentlichen Leben verbannt und geächtet. Nun ist auch in Österreich bald Schluss mit dem hemmungslosen Qualmen in der Öffentlichkeit.

Das Land spaltet ein Konflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern

Im Visier des Gesetzgebers befinden sich jetzt die rund 70.000 Gastronomiebetriebe des Landes, bislang noch ein Hort des blauen Dunsts. Bis zum 1.Juli müssen sich die Besitzer kleiner Lokale entscheiden, ob sie die Aschenbecher wegräumen. In größeren Gaststätten darf Rauch nur noch in abgetrennten Räumen aufsteigen. Die seit 1. Jänner 2009 laufende Übergangsfrist konnten die Wirte dazu verwenden, ihre Gaststätten umzubauen. Raucher und Nichtraucher nutzten hingegen die Zeit, um sich am Wirtshaustisch, in Internetforen, auf Leserbrief- und Kommentarseiten gehässige Auseinandersetzungen zu liefern.

Selbst ernannte Antiraucher-Sheriffs decken Wirte mit Anzeigen ein. Nichtraucher beklagen das angeblich zu milde Gesetz und fordern ein totales Verbot. Asoziale Hedonisten würden, so der gängige Vorwurf, das Gesundheitssystem belasten. Die Qualmer – immerhin ein Drittel der Bevölkerung – kontern wenig zimperlich und wähnen missionarische Eiferer am Werk, die ihnen, getrieben von Genussneid, ihr Vergnügen missgönnten. Sollen sie doch daheim bleiben, die verbiesterten Gesundheitsapostel! Seit Monaten durchzieht, quer durch alle Bildungs- und Einkommensschichten, ein Riss das Land. Raucher gegen Nichtraucher – ein unversöhnlicher Konflikt.

Rauchen ist vor allem tödlich. Es verkürzt, besagen alle Studien, die durchschnittliche Lebenserwartung um mehrere Jahre. Das Risiko, mit Lungen-, Herz- oder Kreislauferkrankungen dahinzuvegetieren, steigt. Die Haut altert rascher, die körpereigenen Abwehrkräfte schwinden, Männern droht außerdem eher Impotenz. Gewiss: Rauchen ist schädlich. Alkohol übrigens auch. Zu viel Fett nicht minder. Dennoch wird das Land nicht von einer Kampagne gegen Wein und Bier überzogen. Auch "Dieses Schweinsbratl kann tödlich sein"-Warnschilder sind bis dato nicht bekannt.

Stattdessen haben sich Experten, Politiker und Bedenkenträger zusammengefunden, um mit Kontrollwut gegen ein Laster vorzugehen, das in seiner Geschichte immer wieder zum Ziel von Verfolgung wurde. So stellte Sultan Murad IV. im Jahr 1633 Tabakkonsum im Osmanischen Reich unter Todesstrafe. Eine Feuersbrunst nahm der Tyrann zum Anlass, 25.000 Raucher zu massakrieren. Etwa zur gleichen Zeit ließ in Russland Zar Michael Qualmern Lippen und Nasen aufreißen. Auch die Kirche bannte – der Vergnügungssucht naturgemäß abhold – das die Sinne benebelnde Nikotin. Im 17. Jahrhundert erließen die Päpste Urban VIII. und Innozenz X. Bullen, die bei Strafe der Exkommunikation untersagten, in Kirchen dem Laster zu frönen. Jesuitenpater wetterten gegen die "trockene Trunkenheit", für die sie Kau- und Schnupftabak verantwortlich machten. Doch auch der sakrale Bann konnte nicht verhindern, dass kaum hundert Jahre später Pfeife und Zigarre zum Savoir-vivre der Oberschicht gehörten.

Während der Napoleonischen Kriege machten schließlich spanische Hilfstruppen die Sitte, den Tabak in kleine Papierstücke einzurollen, in Frankreich bekannt. Doch die kleine Zigarre, die Zigarette, sollte erst während der Industriellen Revolution ihren Siegeszug antreten. Und das nicht nur, weil sich die Glimmstängel ideal zur Massenfertigung eigneten. Jederzeit verfügbar und rasch zu konsumieren, wurden sie zum Begleiter durch eine Epoche, in der Innovationslust und politische Umbrüche auf der Tagesordnung standen.

Die Zigarette vereinte alle, die ihr huldigten, zu einer ubiquitären Gemeinschaft. Sie half, Kriege zu gewinnen. "Tabak ist wichtiger als tägliches Brot", forderte etwa General John Pershing, Befehlshaber der amerikanischen Truppen im Ersten Weltkrieg: "Wir brauchen sofort tausend Tonnen davon." Sie wurde sogar zu einem Symbol für die Emanzipation der Frauen: Die qualmende Femme fatale war die Ikone der Moderne.