Es klingt so, als wolle sie sich selbst Mut machen. "Irgendjemand will uns schon haben", sagt eine Karstadt-Kassiererin in der Hamburger Mönckebergstraße, als eine Kundin nach der Zukunft des Unternehmens fragt. Nach kurzer Pause fügt sie hinzu: "Bleibt abzuwarten, was der dann mit uns macht." Bis Ende April will Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg einen Käufer für die 120 Warenhäuser gefunden haben. Im Juni vergangenen Jahres hat die Muttergesellschaft Arcandor Insolvenz angemeldet, die Schwester Quelle musste bereits liquidiert werden. 10.000 Mitarbeiter waren davon betroffen. In absehbarer Zeit entscheidet sich nun, was aus den Warenhäusern wird. Drei Szenarien lassen die rund 25.000 Mitarbeiter hoffen – und bangen.

Die erste Variante dürfte den Beschäftigten ebenso wie den Kunden am besten gefallen. Es fände sich ein Investor, in dem ein wirklicher Kaufmann steckt. Ein Geldgeber also, der Freude an Warenhäusern hat und an deren Zukunft glaubt. Er müsste die teils veralteten Filialen renovieren, überholte Konzepte modernisieren – und mit dem großen Karstadt-Rivalen munter weiter konkurrieren: Der heißt Galeria Kaufhof und gehört zum Metro-Konzern. Dessen Chef, Eckhard Cordes, hätte gern selbst einige Karstadt-Häuser gekauft, aber eben nicht alle. Weil Insolvenzverwalter Görg die 120 Filialen aber nur zusammen veräußern will, kommt Cordes als Käufer – zurzeit jedenfalls – nicht infrage.

Es sieht ganz danach aus, als gäbe es auf der Welt nicht mehr so viele Investoren, die an diese Form der Konsumtempel glauben – oder deren Geschäft beherrschen. Es bedarf schon einigen Geschicks, sich beispielsweise gegen die vielen Textilhändler zu behaupten, die ihre Marken mehr und mehr in eigenen Shops vertreiben. Auch Elektro- oder Baumärkte ziehen Kunden ab. Und nur mit dem Verkauf von Socken, Bettdecken oder Knöpfen kann man nicht überleben, sagen Experten. Andere meinen, dass der wirkliche Wert von Warenhäusern erst dann klar wird, wenn sie verschwunden sind. Kurzum: Einen Investor zu finden, der ambitioniert und auf Dauer alle 120 Häuser weiterführt, ist die unwahrscheinlichste Variante.