ZEITmagazin: Herr Biolek, wenn man an Ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg vorbeigeht, sieht man vor der Tür manchmal polierte schwarze Wagen parken und fragt sich: Hier in Bios Wohnzimmer also trifft sich die "Berliner Gesellschaft"?

Alfred Biolek: Nee, damit habe ich nichts zu tun. Das ist nicht meine Welt, meine Gäste gehören, glaube ich, nicht dazu. Ich habe auch keinen regelmäßigen Salon. Es kann sein, dass ich drei Einladungen in zwei Wochen gebe, und dann mal drei Monate lang gar keine.

ZEITmagazin: Wer darf denn zu Ihnen kommen?

Biolek: Das ist ganz unterschiedlich. Früher waren es meistens Gäste im Zusammenhang mit meinem Beruf, also nach den Sendungen, ob das jetzt die Ella Fitzgerald war oder der israelische Botschafter Avi Primor oder Rudi Carell. Irgendwann rief mich auch ein Konzertmanager an und sagte: Shirley MacLaine kommt nach Köln und hat zwei Tage frei. Einen Abend ist sie beim Bundeskanzler Helmut Schmidt, den anderen hat sie noch nichts – kannst du helfen? Also hab ich noch ein paar Leute eingeladen und für sie gekocht. Nächsten Montag koche ich für Freunde aus Griechenland, die in der Stadt sind, morgen habe ich meine Klassenkameraden aus dem Gymnasium in Waiblingen zu Gast. Beim letzten Mal waren wir noch 19, jetzt werden wir zu elft sein.

ZEITmagazin: Was servieren Sie?

Biolek: Spaghetti mit rohem Thunfisch. Der wird vorher mit Kapern eingelegt und dann durch die heiße Pasta von außen gegart.

ZEITmagazin: Kann man sich als Gastgeber beim Kochen eigentlich auch zu viel Mühe machen, also zu kompliziert, zu gewollt kochen, und die anderen damit einschüchtern?

Biolek: Das mache ich ja sowieso nicht, etepetete kochen. Heute zu Mittag war ein Freund aus Bern da, da habe ich eine ganz einfache Pasta gemacht. Wichtig ist bei meinen Einladungen nur, dass ich selbst koche, das erwarten die Gäste einfach von mir. Egal, ob spontan ein paar Leute kommen, ob ich zu einem Hauskonzert einlade oder sechzig Leute zu Silvester: Ein Caterer wäre mir zu unpersönlich. Jeder, der hier an meinem Holztisch sitzt, weiß, dass ich das Essen für ihn gemacht habe.

ZEITmagazin: Die ersten Gäste klingeln schon, Sie stehen noch in der Küche – ist das eigentlich erlaubt oder ein Fauxpas?

Biolek: Vieles kann man ja erst zubereiten, wenn alle da sind. Wenn meine Klassenkameraden morgen kommen, werde ich auch noch in der Küche stehen, denn der Thunfisch muss ja zur heißen Pasta.