Wenn Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannschaft mit dem ersten Passagier-Sonderflug einer Lufthansa-A380 am 7. Juni in Johannesburg landen, erledigen die deutschen Fußballer die Einreiseformalitäten in einem Zelt und werden anschließend gleich in ihre Quartiere gebracht. Dieser temporäre "Team Terminal" dient nicht nur dazu, die Spieler möglichst schnell an den Warteschlangen vorbei zu ihren Mannschaftsbussen zu lotsen.

Er bietet den Fans auch ein neuartiges Public-Viewing-Erlebnis: Auf dem Areal gegenüber dem Empfangszelt für die Fußball-VIPs können bis zu 200 Schaulustige den ankommenden Kickern zujubeln. Und das allein ist schon eine kleine Sensation. Bis vor Kurzem wäre nämlich in Johannesburg kaum jemand auf die Idee gekommen, sich freiwillig zum OR Tambo International Airport zu begeben.

Denn obwohl hier gerade mal etwa 20 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden, etwa so viele wie in Düsseldorf, hatte der wichtigste Flughafen Afrikas lange einen ähnlich schlechten Ruf wie London-Heathrow. Morgens, wenn die großen Maschinen aus Europa landen, wartete man in einer stickigen, fensterlosen Halle stundenlang auf die Passkontrolle, abends, vor dem Abflug, im völlig überfüllten Schalterbereich dann das gleiche Chaos. Endlose Menschenmassen auf engstem Raum. Damit ist es nun vorbei.

Umgerechnet 1,75 Milliarden Euro wurden in den letzten vier Jahren in die Modernisierung der bis dahin auf das geringe Passagieraufkommen aus der Apartheidzeit ausgerichteten südafrikanischen Flughäfen investiert. Diese Maßnahmen seien lange geplant gewesen, sagt Solomon Makgale, der Sprecher des Flughafenbetreibers ACSA. "Dank der WM konnten wir sie vorzeitig umsetzen." So bekam Kapstadt einen neuen Terminal, die Surfermetropole Durban sogar einen ganz neuen Flughafen. Und auch der OR Tambo International ist nicht mehr wiederzuerkennen.

Selbst die seit Februar regelmäßig hier landenden Airbus-A380-Riesenflieger der Air France mit bis zu 538 Passagieren werden zügig abgefertigt. Und das, obwohl es für den Doppelstöcker nur zwei Fluggastbrücken gibt, nicht drei wie anderswo. Nach dem Aussteigen läuft man durch breite, lange Gänge mit großen Fenstern und über Rollsteige in das neue, vergangenen Dezember eröffnete Zentralgebäude. Auffällig das viele Licht, die freundlichen bunten Farben im Terminal, das breite Angebot an Geschäften und die gute Beschilderung. Im Vergleich zu früher ist die Einreise das reine Vergnügen.

Kurzes Anstehen in effizient koordinierten Reihen, eine freundliche Begrüßung durch die Beamtin bei der Passkontrolle: "Welcome to South Africa." Selbst wenn mehrere Riesenflieger gleichzeitig landen, geht es zügig voran. Es dürfte also nicht einmal zum Stau kommen, wenn Air France in Kürze Johannesburg täglich mit dem A380 anfliegt und andere Gesellschaften folgen. Auch Lufthansa plant, mit dem A380 bald regulär ans Kap zu fliegen.