Es war die verstörende Kombination aus Adidas-Jacke und Eisernem Kreuz, mit denen die Selbstporträts von Jonathan Meese seit dem Ende der neunziger Jahre für Furore sorgte. Seitdem hat sich der 1970 geborene Künstler mit barock überbordenden Gemälden, Skulpturen und Installationen auch international als einer der wichtigsten künstlerischen Vertreter seiner Generation etabliert. Deutscher Wahn und deutsche Mythen sind sein Thema, und er geht dabei an die Grenzen der Rhetorik und der Zusammenhänge. Sein genialisches Werk ringt mit den Großmächten Sexus, Gewalt, Krieg und Spiel – und das Eiserne Kreuz als Zitat eines Tapferkeitsordens ist immer dabei. Bei seinem Theaterstück Kokain sogar als gigantisches Bühnenbild. Mit Revanchismus hat das bei ihm nichts zu tun – er will nur spielen.

"Alles ist Spielzeug. Alles ist gewesen", hat er einmal gesagt. "Erzreligion Blutlazarett/Erzsöldner Richard Wagner /Privatarmee Ernte und Saat/Waffe" lautet eine seiner typischen Bildunterschriften. Weil sich Jonathan Meese so intensiv wie kein anderer Künstler mit den tatsächlichen und sprachlichen Echos der Vergangenheit, dem "Gewesenen" in unserer Gegenwart beschäftigt, haben wir ihn eingeladen, diese Seite zu illustrieren. Er könne sich nicht konkret zur Frage des Krieges in Afghanistan und des deutschen Umgangs damit positionieren, erklärte er, sondern nur abstrakt. Er schickte uns vier Eiserne Kreuze, die nicht mehr für Tapferkeit verliehen werden – sondern, unter anderem, für "Totale Demut" und "Totale Neutralität".

Meeses radikales Ziel: Alles muss der Kunst unterworfen werden. Erst dann werden die Kriege enden. Ehre ist danach keine militärische Kategorie mehr, sondern eine künstlerische. Deshalb sandte er der ZEIT zu seinen Kreuzen auch ein "Erzmanifest Neutralität" ( Meeses Manifest als PDF ). Darin heißt es: "Kunst an die Macht". Allein die Kunst, so Meese in seinem Manifest, könnte die bisherigen Machtstrukturen, die zwangsläufig zu Kriegen wie dem in Afghanistan führen, überwunden werden: "Im Gegensatz zur Menschenmachtsrealität gibt es in der Kunst zum Glück niemals Opfer."