Wie bei Fannie und Freddie lautet auch der Staatsauftrag an die FHA, möglichst vielen Amerikanern ein eigenes Heim zu verschaffen. Täglich reicht sie derzeit Garantien für 6000 neue Bankdarlehen aus – mehr als viermal so viele wie noch im Jahr 2006. Auf fast 700 Milliarden Dollar ist ihr Hypothekenberg angeschwollen.

Diese staatlich sanktionierten Kredite werden dann – was denn sonst? – gebündelt und als Wertpapiere an Investoren in aller Welt vertrieben. Die Summen sind gigantisch. Im Fall von Fannie und Freddie, den weit größeren Schwestern der FHA, stehen die Steuerzahler bereits für die Summe von fünf Billionen Dollar an ausgereichten Kreditpapieren gerade – das ist das Eineinhalbfache des Bruttoinlandsprodukts von Deutschland. Die beiden haben außerdem schon Schulden in Höhe von 1,7 Billionen Dollar. Es werden ständig mehr.

Da beginnt womöglich das nächste riesige Problem in den USA. Fannie und Freddie sind schwer angeschlagen, weil sie schon vor der Krise ganz groß im Geschäft mit riskanten Immobilienpapieren waren. Es war ja ihre ureigenste Aufgabe. Indem die öffentlich-rechtlichen Institute viele Baudarlehen ankauften oder absicherten, wurde bei privaten Banken wieder Kapital frei, das dann erneut an Hauskäufer und Bauherren ausgereicht werden konnte. Es waren Fannie und Freddie, die einst das Modell erfanden, das dann die Wall-Street-Häuser bis zum Exzess trieben.

Am grundlegenden Modell hat sich nichts geändert: Fannie und Freddie finanzieren sich bis heute durch den Verkauf von Wertpapieren aus gebündelten Hypothekenkrediten. Diese gelten allerdings dank der Staatsnähe von Fannie und Freddie als so sicher wie Staatspapiere, nur mit höheren Zinsen. Vor der Krise wurden sie internationale Bestseller, gerne genommen von deutschen Landesbanken, norwegischen Pensionsfonds und asiatischen Zentralbanken. Auch am berühmten Subprime-Markt für Schrotthypotheken mischten Fannie und Freddie nach Kräften mit.

Im heißen Krisensommer 2008 standen die Giganten dann am Abgrund, aber der damalige Finanzminister Henry Paulson hielt sie fest. Anfang September 2008 übernahm die US-Regierung je einen Anteil von 80 Prozent an Fannie und Freddie. Seither sind sie am Tropf des Steuerzahlers. Die Regierung musste 127 Milliarden Dollar einschießen, um die schwankenden Riesen zu stützen.

Doch es könnte ein Vielfaches davon werden. Denn Obamas Regierung hat kürzlich eine Obergrenze abgeschafft, nach der Fannie und Freddie höchstens 400 Milliarden Dollar Hilfen bekommen dürfen. "Damit hat sie Fannie und Freddie einen Blankoscheck ausgestellt", sagt Alex Pollock, ein Experte beim konservativen American Enterprise Institute in Washington.

Der Grund: Obama braucht Fannie und Freddie, diese zwei klammen Giganten, die auch zweifelhafteste Immobilienkredite noch decken. Ohne sie würde womöglich der Immobilienmarkt noch tiefer in die Krise getrieben und einer breiten Wirtschaftserholung der Boden entzogen. Denn eigentlich sieht es am Immobilienmarkt der USA düster aus, und die Ausfallrisiken sind hoch. In Florida, Nevada, Arizona und Kalifornien stehen ganze Stadtviertel und Siedlungen mit Spekulationsruinen leer. Branchenbeobachter erwarten, dass die Zahl der Zwangsversteigerungen in diesem Jahr mit bis zu 4,5 Millionen Eigenheimen einen neuen Rekord erreicht.

Seit dem Höhepunkt des Booms sind die Preise in vielen Regionen um mehr als 30 Prozent abgestürzt – eine von vier Hypotheken im Land ist "unter Wasser", ist also weniger wert als die ausstehende Kreditsumme. Für die Eigentümer rechnet es sich kaum, die Raten weiter zu bezahlen, und viele stellen ihre Zahlungen tatsächlich ein. Fallen die Preise wie prognostiziert noch einmal um fünf bis zehn Prozent, wachsen die Verluste für Fannie und Freddie weiter. Bis zu einer Billion Dollar an Kreditausfällen erwartet Sean Egan, Chef der Rating-Agentur Egan-Jones. "Und das ist noch konservativ gerechnet." Andere stimmen zu. "Die Lage dürfte sich zuspitzen, wenn die Zinsen irgendwann wieder anziehen", sagt Mark Calabria, Finanzregulierungsfachmann beim Cato Institute.