Welche Geschichten verbinden Muslime mit christlich geprägten Deutschen und umgekehrt? In der Serie "Muslimische Momente" erzählen Politiker, Schriftsteller, Redakteure, Krankenschwestern und Arbeiter von ihren Berührungspunkten zwischen den Kulturen, Konfessionen und Glaubenswelten.

Begegnungen zwischen Muslimen und den christlich-geprägten Deutschen. Serie © Zohra Bensemra/Reuters

Mehr als ein Drittel der Neuköllner sind Migranten. Und wenn ich durch den Stadtteil laufe, ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich die Menschen in den Arm nehmen möchte. Wie vor einigen Tagen, als ein Auto neben mir hielt, der Fahrer das Fenster herunterdrehte und sagte: "Ey, Bürgermeister, wie geht es dir? Wir kennen uns. Du hast mich eingebürgert. Geht es dir gut?" Oder als mich kürzlich eine türkischstämmige Neuköllnerin ansprach: "Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Menschen unser Land ruinieren". Sie meinte nicht die deutsche Trinkerfamilie.

Manchmal aber muss ich auch Zorn in mir unterdrücken. Das passiert, wenn ich Verwahrlosung erlebe. Wenn ich, wie neulich wieder, als "Nazischwein" beschimpft werde. Nur weil ich einen jungen Mann bat, sein Auto aus der Einfahrt wegzufahren, statt sich mit seinem Cousin am Straßenrand zu unterhalten.

Heinz Buschkowsky , 62, ist Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln