Welche Geschichten verbinden Muslime mit christlich geprägten Deutschen und umgekehrt? In der Serie "Muslimische Momente" erzählen Politiker, Schriftsteller, Redakteure, Krankenschwestern und Arbeiter von ihren Berührungspunkten zwischen den Kulturen, Konfessionen und Glaubenswelten.

Begegnungen zwischen Muslimen und den christlich-geprägten Deutschen. Serie © Zohra Bensemra/Reuters

Die Moschee liegt etwas versteckt im Industriegebiet. Als ich sie an einem Freitag besuche, beäugen mich die Männer, die zu Dutzenden vor dem Haus stehen, misstrauisch. Drinnen beten die Gläubigen. Bis vor einiger Zeit haben das auch mehrere junge Muslime hier getan, bevor sie von Bonn aus in den Dschihad zogen. Verfassungsschützer vermuten, dass sie heute im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sind.

Ich bitte um ein Gespräch und werde an den Vereinsvorsitzenden verwiesen. So lange möge ich warten. So stehe ich auf dem Hof der Moschee, mitten in meiner Heimatstadt, und verstehe kein Wort der Unterhaltung. Ich merke, wie ich gemustert werde. Dann kommt der Vorsitzende. Er gibt mir jovial die Hand und redet viel. In einem freundlichen Ton sagt er: "Die Muslime werden zu Unrecht in die Ecke gedrängt." Er spricht von Gerüchten, die dazu dienten, "uns alles in die Schuhe zu schieben". Die Männer, die sich mittlerweile um uns herum versammelt haben, nicken. "Es ist doch längst bewiesen, dass der 11. September kein Anschlag war. Sondern eine Sprengung." Der Vorsitzende lächelt, als hätte er gerade etwas ganz Selbstverständliches gesagt. Der Dschihad und das Gedankengut, das ihn beflügelt: Sie fühlen sich in meiner Heimatstadt ungemütlich nah an.

Christian Denso, 38, ist Redakteur der ZEIT