In Finnland ist vieles rätselhaft, das macht uns das Land so sympathisch. Es gibt endlose Wälder und einen Weltkonzern namens Nokia. Einfaches Leben und absurd hohe Preise. Eigensinnige Einwohner, die viel Alkohol trinken und sich überdurchschnittlich oft das Leben nehmen. Fremdartiges Essen und eine Sprache, die außer Finnen niemand versteht. Den feurigen argentinischen Tango haben sie zu einem bärenhaft behäbigen Umeinanderkreisen weiterentwickelt, dem sie sich voller Inbrunst, aber in bequemer Jogginghose hingeben. Die Finnen, so scheint es, sind einfach da. Sie zeigen kein Bedürfnis, sich zu erklären.

Hingegen scheinen sich finnische Frauen überdurchschnittlich oft mit ausländischen Schriftstellern zu verheiraten. Und diese drängt es umso mehr, das Land zu deuten. In den letzten Monaten ist ein halbes Dutzend Bücher mit dem Schlagwort "Finnland" erschienen. Alle widmen sich den wunderlichen Eigenarten der Bewohner. Und jeder Autor gibt die Ehe mit einer Tochter des Landes als Qualifikation an.

Dem typisch rot-weißen Sommerhaus, das auf Finnisch mökki heißt, begegnen wir schon auf dem Titelbild von Eberhard Apffelstaedts Finnen? Finnen!. Unzählige Aufenthalte im Land haben aus dem Autor einen Kenner gemacht. Von ihm erfahren wir nicht nur, warum man Finninnen nervös macht, wenn man zu langsam an seinem Kaffee nippt – weil es die Höflichkeit verbietet, in einer Kaffeerunde nachzuschenken, wenn noch nicht alle Tassen leer sind. Als Einziger wagt sich Apffelstaedt auch an eine – durchaus lehrreiche – Einführung in die finnische Sprache und gibt zudem einige wertvolle Tipps für Touristen. Gut gelaunt, manchmal aber etwas wortreich, lässt Apffelstaedt uns an seinen Erfahrungen und Überlegungen teilhaben.

Wenn Apffelstaedt der Onkel ist, der beim Familientreffen gerne das Wort an sich nimmt, ist Roman Schatz der rotzige Cousin, der schon vor dem Nachtisch wieder abhaut. Auch in seiner Gebrauchsanweisung für Finnland wird das mökki als eigentliche Heimat der finnischen Seele gewürdigt. Vor 24 Jahren ist Schatz nach Helsinki ausgewandert, dort genießt er heute als Kolumnist und Finnlandexperte Medienberühmtheit. Flott, aber manchmal etwas lustlos, handelt er die Nischen des finnischen Lebensgefühls ab. Absonderliche finnische Wettkampfsportarten wie Luftgitarrenspiel, Gummistiefel- oder Grashalmweitwurf lässt er dabei ebenso wenig aus wie die undurchschaubaren persönlichen Umgangsformen der Finnen. Weder gemeinsame Vollräusche noch exzessive Saunabesuche führen dort nämlich zu einer Auflösung der Respektsdistanz zwischen zwei Menschen. Solche Erlebnisse reichen kaum tiefer, als wenn man bei uns gemeinsam einen Kaffee trinkt.

Das durchaus spannende Geschichtskapitel steht nicht ganz ideal am Anfang dieser Gebrauchsanweisung. Denn die historischen Informationen gewinnen vor allem an Bedeutung, wenn man das kuriose Alltagsverhalten schon etwas kennengelernt hat. Dann versteht man, wie sehr der Hang der Finnen zu einer gewissen Eigentümlichkeit auch Überlebensstrategie einer jungen Nation ist. Diese konnte ihre Identität unter schwedischer und russischer Herrschaft nur schwer verteidigen. Und versucht sie seit der Unabhängigkeit von 1917 nun umso vehementer auszubilden. Immerhin weist Schatz auf den einzigartigen Umstand hin, dass niemand auf der Welt die Finnen hasst.