Es ist ein wenig untergegangen: Die Gesetzgebung zur Krankenversicherung, die US-Präsident Obama vor mehr als einem Monat unterzeichnete, enthielt auch eine Veränderung der Studentendarlehen. Die Gebühren, die bislang an private Banken gezahlt werden mussten, werden gestrichen. Erweitert werden die sogenannten Pell Grants (eine einkommensabhängige föderale Finanzhilfe, die nicht zurückgezahlt werden muss). Zudem wird die Rückzahlung von Darlehen erleichtert.

Vor den Toren von Washington, D.C., in einem Community College in Virginia, in dem Jill Biden, die Frau des Vizepräsidenten Joe Biden, Englisch unterrichtet, hat Obama symbolträchtig das neue Programm verkündet. Dass dieser Student Aid and Fiscal Responsibility Act weitgehend unbemerkt blieb, lag wohl an dem Hype, der das Krankenversicherungsdrama begleitete. Dieser Hype überstrahlte die guten Nachrichten für die Studenten.

"Lange Zeit hat unser System für Studiendarlehen Banken und Finanzinstituten genützt. Jetzt sorgen wir endlich dafür, dass das System den Studenten und unseren Familien zugutekommt", ließ Obama auf der Website des Weißen Hauses verlauten. Seit 1965 sind Banken vom Staat subventioniert worden, um Geld an Studenten zu verleihen. Dabei trug der Staat das Hauptrisiko.

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Jetzt ist das Bildungsministerium entschlossen, alle Studentendarlehen direkt zu vergeben. Was das in Zeiten der Arbeitslosigkeit für Tausende von Darlehenssachbearbeitern in den Banken bedeutet, wird nur verschämt in unterschiedlichen Blogs angedeutet, denn auch die staatliche Vergabe der Stipendien wird nicht kostenlos und personalfrei vonstattengehen können. Mit dem eingesparten Geld, Obama spricht von etwa 68 Milliarden Dollar über die nächsten elf Jahre, sollen mehr Pell Grants und Studiendarlehen vergeben werden können.

Durch das Gesetz wird 2017 der Höchstsatz der Pell Grants von 5550 auf 5975 Dollar erhöht werden. "Alles in allem", so Obama, "verdoppeln wir die Summe der Pell Grants. Das ist eine der bedeutendsten Investitionen in höhere Bildung seit der Einführung des GI Bill." (So heißt das Gesetz zu Stipendien für heimkehrende Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem Jahre 1944.)

Die beste Nachricht für Studenten, die Darlehen aufnehmen,ist eine neue Regelung (Income-Based Repayment Plan), die es ihnen erlauben wird, ihre Rückzahlungen von 2014 an mit 10 Prozent ihres Einkommens statt wie bisher mit 15 Prozent zu leisten. Erfolgen die Rückzahlungen regelmäßig, sollen ausstehende Schulden nach 20 statt wie bisher nach 25 Jahren erlassen werden. Und nach zehn Jahren, wenn Studenten im öffentlichen Sektor als Lehrer oder Krankenschwester arbeiten oder im Militär Dienst tun.

Von dem neuen Gesetz sollen auch die Community Colleges profitieren, zwei Milliarden Dollar sind in Aussicht gestellt für die Entwicklung und Verbesserung von Bildungs- und Trainingsprogrammen. Das Gesetz zielt schon jetzt auf eine Erhöhung der Empfänger von Pell Grants um 820.000 Stipendien ab 2020. Die nicht zurückzuzahlenden Pell Grants sind vor allem für Familien der unteren Einkommensschichten von Bedeutung. Sie werden nur für das Grundstudium gewährt.

Pell Grants sind für staatliche Universitäten und Community Colleges vorgesehen, wenn auch deren Gebühren meist höher liegen als die Summe, die gewährt wird. Private Unis haben meist ihr eigenes Stipendiensystem und Universitäten wie Harvard oder Stanford haben schon vor Jahren die Unterrichtsgebühren für Bewerber aus Familien mit weniger als 40.000 Dollar Jahreseinkommen ausgesetzt.

Wenn die eingesparten Milliarden fortan direkt den Studenten zugutekommen sollen, wäre das in der Tat eine "historische" Errungenschaft.