Fotos schießen ist toll. Dennoch ärgere ich mich nachher oft. Denn selbst hervorragende Schnappschüsse enden still im digitalen Fotograb, der Festplatte. Nun keimt Hoffnung für die Totgeglaubten. Kodak bringt einen digitalen Bilderrahmen auf den Markt (etwa ab Anfang Mai), der nicht nur eine Ausstellungsfläche für wechselnde Motive bietet, sondern auch den familiären Austausch fördern könnte. Bisher hatte ich um Minimonitore einen Bogen gemacht: zu technisch, zu steril. Der neue Kodak Pulse hingegen ist eher ein soziales als ein technisches Gerät – mit eigener E-Mail-Adresse, an die jeder Eingeweihte Fotos schicken kann. Vom Computer oder Handy, aus Winterhude oder Oakland, landen sie direkt auf dem Bildschirm. Ihn könnten auch technisch wenig bis gar nicht Interessierte bedienen, heißt es.

Wäre es nicht verlockend, der besorgten Schwiegermutter fotografische Überlebensbeweise aus dem Urlaub schicken zu können? Oder ein Bild von den Enkeln, vom neuen Hund? Dazu brauchte sie nur diesen Rahmen. Und drahtloses Internet, damit der Bildschirm überhaupt etwas empfangen kann. Dank Touchscreen ist der Anschluss einfach: Der Monitor findet das Hausnetz von selbst, nur den WLAN-Geheimcode muss man auf der großen Tastatur eintippen, die auf dem Bildschirm erscheint.

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Das genügt. Alles Weitere kann ich von zu Hause aus erledigen. Der Rahmen ist komplett fernsteuerbar über das Internet. Sogar alle Bedienelemente auf dem Touchscreen lassen sich so ausschalten. Dann sind Fehlgriffe ausgeschlossen. Allein "Pause", "Vor" und "Zurück" lassen sich noch drücken. Im Selbstversuch bitte ich 30 Freunde, mir fotografische Grüße zu schicken. Damit der Rahmen eine Adresse hat, muss man ihm einen Namen geben. Ich nenne ihn "Helmut".

Bald wird Helmut überschüttet mit Bildern: vom jüngsten Urlaub, von den süßen Kleinen, aus dem Garten oder spontanen Selbstporträts direkt vom Smartphone. Unermüdlich spult er sie als Diashow ab. Auf Wunsch mit kurzem Grußtext, den die Absender im Titel der E-Mail eingeben können. Kommt ein neues Foto, leuchtet eine Nachricht auf dem Monitor auf. Schnell sind 70 Bilder beisammen. Per Druck aufs Display kann man sie nach Freunden sortieren.

Mehr geht allerdings nicht. Es gibt keine Übersicht der Fotos, um sie durchsuchen zu können, etwa in einer Ordnerstruktur oder als Sammlung von Minibildern. Kontrolle über die Bilder? Fehlanzeige. Die Reihenfolge für die Diashow erfolgt zufällig, anordnen kann man die Bilder nicht. Nur löschen ist möglich. Und man kann zwar neues Bildgut per USB-Stick auf den Rahmen laden, aber die E-Mail-Fotos der Freunde rückt Helmut nicht raus, sie lassen sich nicht extern speichern.

Enttäuscht rufe ich bei Kodak an. Dass der Rahmen so simpel gebaut ist, sei Absicht, versucht Michael Willenborg zu trösten. Er hat den Kodak Pulse mitentwickelt. Einfachheit gehöre zum Konzept, "komplizierte Rahmen frustrieren nur den Benutzer". Wenn ich da anders ticke, dann entgegen der Marktmehrheit. Einige Anbieter haben ihre Bilderrahmen zu digitalen Tausendsassas aufgeplustert. Sie spielen Videos ab, empfangen Fernsehen, zeigen per Internet die neuesten Nachrichten. Allesamt Ladenhüter. Mit der komplexen Bedienung will sich keiner herumschlagen.

Kodak Pulse ist die Kehrtwende der Entwickler. "Man soll den Rahmen eigentlich gar nicht mehr anfassen", sagt Willenborg. Das Überraschungsmoment, das nächste Bild nicht vorhersagen zu können, gehöre dazu. Ebenso, dass der Rahmen jedes Foto herunterrechnet auf die 800 mal 600 Bildpunkte des Displays und es in dieser Größe intern abspeichert. So kann Helmut 4000 Aufnahmen fassen.