Juan Ramón Quintás ist für beißende Kritik bekannt. "Dieses Land ist sich seiner Probleme nicht bewusst", wetterte der langjährige Präsident des spanischen Sparkassenverbandes noch unlängst über Proteste gegen soziale Einschnitte im Krisenstaat. "Sobald jemand eine Maßnahme auf den Tisch legt, die Opfer verlangt und nicht in die Welt der Glücksbärchis passt, schlagen alle die Hände über dem Kopf zusammen."

Die eigene Zunft packte Quintás in seinen acht Jahren an der Verbandsspitze weniger hart an – mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft des Landes, das Finanzexperten zuletzt gern in einem Atemzug mit Griechenland nannten. Der 66-Jährige hinterlässt ein von politischen Interessen und fragwürdigen Machenschaften zusammengehaltenes Netzwerk an Sparkassen, das unter der Last von faulen Krediten zu reißen droht und so ein Risiko für die Staatsfinanzen darstellt. Selbst wenn ein Flächenbrand ausbleibt: Vielen Instituten fehlt es an Stabilität; sie sind aber für die Finanzierung der Wirtschaft zentral, auch wenn private Großbanken wie Banco Santander oder BBVA die Szenerie prägen.

In der Finanzkrise wurden Spaniens Geldinstitute lange Zeit als vorbildlich gelobt. Darlehen müssen dort – der Zentralbank sei Dank – schon seit Jahren, unabhängig vom Ausfallrisiko, mit hohen Rückstellungen abgesichert werden. Riskante Geschäfte an den globalen Finanzmärkten, die weit bekannteren Konkurrenten zum Verhängnis wurden, waren hier ebenfalls so gut wie unbekannt. Man hatte ja stattdessen den boomenden heimischen Immobilienmarkt, auf dem sich Milliarden verdienen ließen und der lange Zeit die stärkste Stütze des spanischen Wirtschaftswachstums war.

Nach dem Bersten der Immobilienblase allerdings bedroht die Welle aus Firmenpleiten, galoppierender Arbeitslosigkeit und sinkendem Privatkonsum nun vor allem die Sparkassen. Im Gegensatz zu den Banken, die ihr Engagement im Immobiliensektor bereits seit 2004 nach und nach reduziert hatten, verteilten die Sparkassen bis zuletzt mit vollen Händen Geld, um ihre eigene Expansion voranzutreiben. Vor allem die kleineren der 45 Institute werden die Folgen kaum verkraften. Doch dem Drängen nach Fusionen folgte bisher keine.

Die Kassen halten Immobilienkredite in Höhe von 595 Milliarden Euro

Nach Angaben des Hypothekenverbandes (AHE) hatten Spaniens Kreditinstitute bis Ende Februar Immobilienkredite über sagenhafte 1,07 Billionen Euro ausstehen. Die Sparkassen zeichneten davon für gut 595 Milliarden Euro verantwortlich. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) warnt, dass sich die Quote der faulen Kredite in der gesamten spanischen Finanzbranche 2010 auf elf Prozent mehr als verdoppeln wird. Problematisch ist nach Einschätzung des AHE vor allem knapp ein Drittel der Kredite, 325 Milliarden Euro, die an jetzt in Schwierigkeiten steckenden Immobilienfirmen und sogenannten Promotores vergeben wurden.

Promotores sind eine sehr spanische Spezies. Mit Expolitikern oder ausgesuchten Freunden eines Bürgermeisters an ihrer Spitze lassen sie im Auftrag der Kommune ein neues Baugebiet erschließen oder die für Straßenbau, Strom-, Gas- und Telefonleitungen notwendigen Gelder eintreiben, einen Teil davon dürfen sie als Provision behalten. Als Kreditgeber suchen sie sich meist Sparkassen aus, da auch diese im Dunstkreis der Politik agieren. Die meisten der 17 Landesregionen haben zwei oder auch drei derartige öffentlich-rechtliche Geldinstitute, die ähnlich wie Stiftungen organisiert sind. In ihren Gremien sitzen seit je Vertreter der lokal den Ton angebenden Partei. Versuche, die Sparkassen zu entpolitisieren, scheiterten bislang.