Ich kannte Daniel Josefsohn noch nicht persönlich, als wir zum ersten Mal zusammengearbeitet haben, aber ich kannte natürlich seine rotzfreche Werbekampagne für MTV. Und wer kannte sie nicht: schwarz-weiße Porträts von jungen Leuten, die TShirts mit der Aufschrift "Göre" trugen und "Schlampe" – in allen deutschen Großstädten hingen die Plakate, in den wichtigen Magazinen erschienen die Motive als Anzeigen (ja, so groß war MTV damals noch und so cool). Ich habe die Bilder geliebt.

In den neunziger Jahren habe ich als Grafiker in der Werbung gearbeitet, 1999 bekam ich meinen ersten Job im Journalismus, Art-Director bei jetzt, dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung. Und die erste Titelgeschichte, um die ich mich kümmern sollte, widmete sich dem Comeback der Filmreihe Star Wars und ihren jungen Fans.

Bitte lächeln! Klicken Sie hier, um Fotografien aus der aktuellen Ausstellung von Daniel Josefsohn zu sehen © Daniel Josefsohn

Ich telefonierte also mit Daniel Josefsohn und wünschte mir von ihm junge Menschen, die einen Star Wars- Helm tragen sollten. Ich hatte genaue Vorstellungen von dem Motiv, erzählte ihm, wie das Licht einfallen sollte usw. usf. Genaues Briefing: So hatte ich das in der Werbung gelernt. Er hörte sich das in aller Ruhe an und sagte begeistert zu.

Das Geniale an Daniel ist, dass du nie weißt, was du bekommst, aber dass keiner ein Thema so auf den Punkt bringen kann wie er. Auf dem Foto, das er schickte, saßen zwei halb nackte Typen in Unterhose in einer Küche. Immerhin: Sie trugen Star Wars- Helme. Das Foto war vollkommen anders, als ich es haben wollte – und ich fand es fantastisch. Doch um es kurz zu machen: Die Chefredaktion lehnte das Foto ab. Ich hatte einen super Start in meinem Job – und dachte, dass Daniel Josefsohn nie wieder mit mir zusammenarbeiten würde.

Da kannte ich ihn schlecht: Er nahm’s mit Humor und begann, als privates Projekt, seine eigene Star Wars- Serie. Im Laufe der Jahre schickte er mir immer wieder unaufgefordert, als eine Art freundliche Strafe, die unterschiedlichsten Motive zur Ansicht. Sie hatten nur eines gemeinsam: Die fotografierten Menschen trugen Star Wars- Helme. Die Fotos erschienen in allerlei Heften und Kampagnen, nur nie dort, wo ich arbeitete.

Deshalb freue ich mich, dass in seiner Ausstellung in Hamburg (und in diesem ZEITmagazin) Star Wars- Helme zu sehen sind, diesmal als Hommage an den großen Helmut Newton. Die vier Frauen sehen wirklich aus wie die Models in Newtons berühmtem Bild – bei Josefsohn tragen sie aber natürlich Star Wars- Helme.

Trotz unseres katastrophalen Starts haben Daniel Josefsohn und ich inzwischen oft zusammengearbeitet. Er hat großartige Bilder gemacht, zum Beispiel sein Porträt des Basketballspielers Dirk Nowitzki (neben ihm steht übrigens Josefsohn selbst) oder sein Foto einer Secondhand-Jacke, die er einem Baum mit Gesicht angezogen hat. Immer wieder mal ist es passiert, dass seine Fotos nicht gedruckt wurden, immer wieder hat er Artdirektoren und Redakteure verflucht, und immer wieder hat er es mit Humor genommen. Wie man an den Bildern sieht: Redakteure und Artdirektoren haben nicht immer recht.