Die Frage: Ines und Harald sind seit vier Jahren ein Paar. Er ist für sie der Fels in der Brandung – groß, ruhig, zuverlässig. In einem Partygespräch schildert Ines ihren Harald in leuchtenden Farben als positives Beispiel gegen den Partner einer Freundin, der manchmal Nächte im Rotlichtmilieu verbringt und Nachfragen abwehrt – das sei Männersache. Endlich wird es der Freundin zu viel. "Frag doch mal deinen Harald, was er auf den Jagdausflügen mit seinen Freunden in der Slowakei macht!" Zu Hause verhört Ines ihren Freund, der stockend erzählt, dass er zwar mit den Kumpeln vorwiegend auf Rotwildjagd geht, aber am Abend der eine oder andere Bordellbesuch stattgefunden hat. "Was sollte ich machen? Ich hätte mich doch vor den anderen blamiert!", verteidigt er sich. Kann Ines ihm noch trauen?

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: "Das hört ja nicht auf! Immer Schicht noch um Schicht! Kommt denn der Kern nun nicht endlich ans Licht?" Vielleicht sollte sich Ines an diesen Vers aus Peer Gynt von Ibsen erinnern, in dem der Mensch mit einer Zwiebel verglichen wird. Sie hatte geglaubt, dass ihr Harald kernfest ist; jetzt findet sie heraus, dass es auch andere Schichten gibt. Mit seinen Freunden ist Harald ein anderer als mit ihr. Ines und Harald stehen vor einem Schritt, mehr Verantwortung füreinander zu übernehmen. Wenn Harald einsieht, dass er seine ganze Erotik in die Beziehung zu Ines einbringen sollte, und wenn Ines ihm glauben kann, dass er sich von der frauenverachtenden Haltung der Hirsch- und Schürzenjäger verabschieden wird, haben beide aus der Krise gelernt.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

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