Da war zum Beispiel die Sache mit ihrer Heirat. "Was ist denn das für eine Frau, die den Namen ihres Mannes nicht annehmen will?", empörte man sich. Und doch setzte sie sich durch, lange bevor das Namensrecht geändert wurde. Dass die Eheleute dann immerhin 54 Jahre teilten und erst der Tod des Mannes sie trennte, blieb ihr stiller Triumph über die Unkenrufer. Sie schrieb ihr privates Glück der Langmut ihres Mannes zu: "Er hatte immer Verständnis dafür, dass ich kein Hausmütterchen bin."

Sie selber sei dagegen furchtbar ungeduldig, hadert sie mit sich, das empfinde sie als eine "richtige charakterliche Delle". Vermutlich liegt die nun mal in ihrem Naturell. Dinge rasch und präzise zu erfassen, hat sie von Kindesbeinen an trainiert und auch beruflich eingesetzt, ob als Naturwissenschaftlerin oder als Journalistin. Und dann war da noch der Leistungssport, in ihrer Jugend gewann sie die regionale Kraulmeisterschaft. Die Schnellste halt.

Das Schwimmen liebt sie bis heute. Und fast wie eine Metapher spiegelt es ihre Haltung zum Leben wider, denn hin und wieder stemmt sie sich gegen den Strom. Das brachte ihr neben Hochachtung auch manche Ablehnung ein; einige Jahre, berichtet sie, habe man sie regelrecht gemobbt. Zwar glätteten sich die Wogen mit der Zeit, doch das Vertrauen war dahin. Später zog sie endlich selber die Konsequenz, deutlich entfremdet: "Die Frage ist: Wann werden die Kröten, die man schlucken muss, so dick, dass man selber zur Kröte wird?"

Einfach nur mitzutrotten, das widerstrebt ihr – ein Erbe ihrer Jugend, in der sie harte Verluste erfuhr. Die Geborgenheit ihrer Kindheit endete abrupt, als der Vater an einem Blinddarmdurchbruch starb. Da war sie zehn Jahre alt, ein Jahr später verlor sie auch die Mutter. Gemeinsam mit vier Geschwistern wuchs die frühe Waise danach bei der Großmutter auf. Ein Jahrzehnt später verübte die geliebte Oma Selbstmord, aus Angst vor einem gewaltsamen Tod.

Wie überlebt ein junger, sensibler Mensch solche Tragödien? "Ich habe viele Narben, aber keine Hornhaut auf der Seele", sagt sie heute. Und dass mit 24 ein neues Leben für sie begann, "…ein Sturz aus allen Ängsten, allen Zwängen… Das Glücksgefühl war so überwältigend, dass wir das Elend, in dem wir lebten, gar nicht als solches empfanden." Würde man einen Film über sie drehen, müsste er wohl "Die Unbestechliche" heißen. Oder: "Lady Courage". Denn das ist sie, und darauf könnte sie stolz sein, zumal eine Haltung wie die ihre leider immer seltener wird.

Doch Selbstlob liegt ihr fern. "Ich bin nicht der Typ, der Stolz für sich in Anspruch nimmt", sagte sie unlängst in einem Interview, ihr langjähriges Fachgebiet betreffend. Da hatte sich herausgestellt, dass ihre Visionen von früher längst für Gegenwart und Zukunft taugen, sie aber nahm sich zurück, einmal mehr: "Ich habe gewisse Dinge nur vorangetrieben." Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 17:
Graham Greene (1904–1991) war das vierte von sechs Kindern des Direktors eines englischen Internats. Als Student in Oxford trat er der kommunistischen Partei bei, in der Hoffnung, umsonst nach Russland reisen zu können, dann diente er sich dem deutschen Geheimdienst an und fuhr für vier Wochen in die "Rheinrepublik". Seine Redakteursstelle bei der "Times" gab er auf, als sein erster Roman veröffentlicht wurde. Während des Krieges arbeitete er für den englischen Geheimdienst in Afrika, mit seinem Vorgesetzten Kim Philby blieb er auch nach dessen Überlaufen nach Moskau befreundet. Viele seiner Romane, so "Der Dritte Mann", wurden verfilmt