Arifin rammt die Eisenstange in den Vulkanboden, das gelbe Gestein splittert. Überall liegen Schwefelbrocken, groß wie Grabsteine. "Hati hati!", schreit er, passt auf! Aus einer Erdspalte schießt eine Nebelschwade und verschluckt ihn und die anderen Arbeiter. Eilige Schritte, dumpfes Husten. Es wird still. Als die Wolke sich verzieht, kauern die Männer noch immer unter einem Felsvorsprung, die feuchten Tücher fest ins Gesicht gepresst.

Die Männer, die im Schlund des indonesischen Ijen-Vulkans Schwefel abbauen, kippen regelmäßig um und verlieren für einige Minuten das Bewusstsein. "Wegen Ijens Atem", sagen sie. Ihre Lebenserwartung liegt zehn Jahre unter dem Durchschnitt der Bevölkerung – bei 50 Jahren.

Arifin ist jetzt 38. Der Indonesier ist kaum eins sechzig groß, seine Schultermuskeln sind fein definiert. Er trägt ausgebeulte Hosen und viel zu große Gummistiefel.

Aus Erdspalten auf halber Höhe des Steilhangs stößt der Vulkan Schwefelgas aus, 200 Grad heiß und hochgiftig. Rohre nehmen den Dampf auf und leiten ihn zum Kratergrund. Unten tropft eine kondensierte Brühe aus den Öffnungen, an der Luft erstarrt sie zu gelbem Gestein. Das Schwefelfeld am Kratergrund lockt die 100 Minenarbeiter täglich in den Schlund.

Die Tage in der Mine verlaufen gleich. Um drei Uhr morgens erreichen die ersten Arbeiter den Vulkangrund. Meterhoch schießen die Flammen in die Nacht, denn das Schwefelgas entzündet sich an der Luft. Bevor Arifin und seine Männer Schwefel brechen können, müssen sie Feuer löschen. Sie werfen Wasser aus Eimern in die Flammen, es zischt und brodelt.

Die Arbeiter schieben sich feuchte Stofffetzen in den Mund, Gasmasken haben sie keine. Sie husten, es fällt kein Wort. Der Dampf dringt in die Atemwege.

Dann packen sie die Eisenstangen und stoßen sie in das gelbe Gestein, bis es splittert.

Es gibt Abnehmer für den Schwefel, der hier gewonnen wird. Den Großteil kaufen Zuckerfabriken der Gegend, sie bleichen ihr Zuckerrohr damit. Den Rest verbraucht die pharmazeutische und chemische Industrie in der 200 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Surabaya, zum Beispiel um Medikamente und Dünger herzustellen.