Der Gelassene

Zunächst passte alles ins Klischee: Ein böser Finanzinvestor schickt sich an, bei Karstadt einzusteigen. Er will Tausende Mitarbeiter entlassen. Der Betriebsrat läuft Sturm. Empörung allerorten.

Nach und nach aber stellte sich heraus, dass der potenzielle Käufer offensichtlich gar nicht so skrupellos ist, wie zunächst befürchtet. Mittlerweile dämmert es auch einigen Arbeitnehmervertretern: Wenn Johannes Maret tut, was er sagt, und wenn ihm gelingt, was er möchte, dann hätte es schlimmer kommen können. Wer ist dieser Mann überhaupt? Am ehesten kennt man Maret als ehemaligen Deutschlandchef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen. Heute berät er die deutsch-skandinavische Beteiligungsgesellschaft Triton, die als offizieller Kaufinteressent von Karstadt fungiert . Maret hat dabei die Hauptrolle übernommen, zieht die Fäden. Er ist an Erfolgen und Misserfolgen der Gesellschaft finanziell beteiligt. Die Investoren der Triton Fonds stammen aus den Reihen institutioneller Anleger. Dazu zählen die bundeseigene KfW und die Weltbank.

Johannes Maret ist derzeit der wichtigste Mann im Gerangel um den Warenhauskonzern. Nachdem der Betriebsrat mit seiner Kritik vorgeprescht war, wandte er sich per Mail an alle Mitarbeiter. Tenor: Ein Lob für deren Motivation. Karstadt solle als eigenständige Gesellschaft erhalten bleiben, man sei am langfristigen Betrieb interessiert. Allerdings: Es gebe auch Schwächen. Dazu zählten die Verluste bei einigen Warensortimenten und die hohen Personalkosten. Prompt kam in den Medien die Spekulation auf, 5000 Arbeitsplätze würden gestrichen. Einen solchen Jobverlust bestätigt ein Triton-Sprecher nicht. Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di laufen.

Nicht nur von deren Ergebnis wird es abhängen, ob Maret zugreift. Es gibt noch eine zweite Gruppe, von der er Opfer erwartet: die Vermieter. Der mächtigste in ihren Reihen ist Alexander Dibelius, Chef der deutschen Dependance von Goldman Sachs. Sollte sich die Bank oder die Gewerkschaft sträuben, Maret entgegenzukommen, kann der ganz gelassen bleiben. Dann hat der ehemalige Privatbankier bei Sal. Oppenheim eben wieder mehr Zeit für andere Aufgaben bei Triton – und sein erfolgreiches Weingut an der Saar.