Eindämmen, abfackeln, absaugen, auflösen, – mit vielen Strategien versucht der Mensch, die Ölpest zu bekämpfen. Die Natur nutzt geräuschlos ihre biologischen Waffen: Mikroben.

Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen und ihre Populationsstärke lässt sich nur erahnen. Laut Forschern des Internationalen Zensus Mariner Mikroben (ICOMM) machen die Winzlinge zwischen 50 und 90 Prozent der Biomasse unserer Ozeane aus. "Nur ein Teil der Organismen lebt im Meerwasser. Ein erheblicher Teil hat sich im Sediment des Meeresbodens angesiedelt", sagt Ralf Rabus, Gruppenleiter am Institut für Chemie und Biologie des Meeres in Oldenburg.

Rohöl ist ein komplexes Gemisch aus mehreren Hundert verschiedenen Einzelsubstanzen, doch den Großteil machen Kohlenwasserstoffe aus. Die stabilen Verbindungen sind eine äußerst energiereiche Nahrungsquelle. Dachte man vor zehn bis 15 Jahren noch, dass der Abbau von Kohlenwasserstoffen ohne Sauerstoff nicht möglich sei, wurden mittlerweile anaerobe Bakterien isoliert, die das Gegenteil beweisen.

Viele von ihnen sind echte Überlebenskünstler. "Solche Organismen koppeln den Abbau von Kohlenwasserstoffen an die Veratmung von beispielsweise Nitrat oder Sulfat", sagt Rabus. Kohlenwasserstoffe kommen schon seit Jahrmilliarden in der Biosphäre vor, nicht erst seit dem Ölzeitalter. "Der Meeresboden am Golf von Mexiko ist ziemlich porös. Überall strömen in geringen Mengen Öl und Erdgas aus", erklärt Jürgen Rullkötter, ein Kollege von Rabus. Die am besten untersuchte Ölwaffe, die sowohl mit als auch ohne Sauerstoff auskommt, wurde einst in der Weser entdeckt. " Aromatoleum aromaticum vom Stamm EbN1 kann einzig mit Rohöl wachsen", sagt Rabus.

Ähnlich ölverliebt ist die Mikrobe Desulfococcus oleovorans Hxd3. Und erst 2007 entdeckten Forscher des ICOMM im Golf von Mexiko einen bleichen Röhrenwurm, der sich in rund tausend Metern Tiefe an einer winzigen Ölquelle labte. "Wildcat"-Röhrenwurm nannten sie ihn, nach den Ölbohrern im alten Texas, den wildcatters.

Ließe sich der Ölteppich also gezielt mit Bakterien bekämpfen? "Es wäre naiv zu glauben, dass ein Fass voller Mikroben eine Patentlösung wäre", sagt Rabus. Das Ausbringen von Mikroorganismen würde nichts ausrichten, sondern wäre rausgeschmissenes Geld, stimmt Rullkötter zu. All jene Organismen, die besonders gut auf Öl ansprechen, hätten sich sowieso schon stark vermehrt. Der künstliche Zusatz von Mikroben bringe da nichts mehr. Was die Natur und ihre Biowaffen bräuchten, sei vor allem Zeit. "Die Natur kann sich selbst helfen", sagt Rullkötter. "Sie ist nur nicht im Einklang mit dem Zeittakt des Menschen."

Je nach Klima, Fauna, Bodenbeschaffenheit und Zusammensetzung des Öls kann die Regeneration einer Küste mehrere Jahrzehnte dauern. Im offenen Meer hingegen siegt die Natur meist schon in ein bis zwei Jahren.