Horst Köhler unterzeichnet am Freitag das Gesetz, mit dem Deutschland den Griechen zu Hilfe kommt , und er muss sich dann vorkommen wie bei einer Kapitulationserklärung. Der Sieger ist – das "Monster". So hat der Bundespräsident vor zwei Jahren die Finanzmärkte bezeichnet. Das Monster müsse "in die Schranken gewiesen werden", forderte er damals.

Vergangene Woche geißelte Köhler erneut den Finanzkapitalismus . Um den Spekulanten das Handwerk zu legen, dürfe die Euro-Gruppe "nicht davor zurückschrecken, einige Geschäftsarten schlicht zu verbieten, zum Beispiel ungedeckte Leergeschäfte oder Over-the-counter-Transaktionen mit riesiger Hebelwirkung". Köhler versteht etwas von der Materie. Er war mal Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und von 2000 bis 2004 Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier fordern von der Bundesregierung, sie müsse kurzfristig gegen Spekulanten vorgehen.

Dass es profitgierige Zocker waren, die mit ihren Wetten Griechenland an den Rand eines Staatsbankrotts getrieben haben, ist unter europäischen Politikern inzwischen fast Konsens geworden. Aber stimmt es auch? Gab es tatsächlich ein "Hellas-Komplott" ( Financial Times Deutschland ), eine Finanzverschwörung gegen die Griechen?

Richtig ist: Bevor sich die europäischen Regierungen am Sonntag dazu durchrangen, Griechenland in den nächsten drei Jahren finanziell beizustehen, waren griechische Staatsanleihen extrem stark im Kurs gefallen. Bei solchen Papieren bedeutet ein niedriger Kurs, dass die Käufer, die das Risiko nicht scheuen, eine hohe Rendite erwarten können – vorausgesetzt, der staatliche Schuldner zahlt am Ende der Laufzeit die verbriefte Kreditsumme vollständig zurück. Die aktuellen Renditen der in früheren Zeiten ausgegebenen Anleihen sind aber auch der Maßstab dafür, zu welchem Zinssatz eine Regierung weitere Schulden machen kann. Je stärker die alten Papiere an den Börsen unter Preisdruck geraten, desto teurer wird es für ein Land, neues Geld aufzunehmen.

Staatsanleihen werden zum allergrößten Teil von langfristig orientierten Investoren gekauft und gehalten: von Banken, Versicherungen, Pensions- und Investmentfonds. Die größte deutsche Fondsfirma ist die DWS, eine Tochter der Deutschen Bank. Sie legt viele Milliarden Euro Sparergeld in Anleihen an, und sie spekuliert auch damit. Im März berichtete Asoka Wöhrmann, Mitglied in der DWS-Geschäftsführung, in einem FAZ - Interview freimütig, dass der Fonds griechische Bonds gekauft und "prächtig daran verdient" habe – drei Prozent in drei Wochen. Mit seinen Geschäften hat er den Griechen aber nicht geschadet. Was er gewann, haben die Vorbesitzer der Anleihen verloren, die sie zum Ausgabekurs gekauft haben und nur mit Abschlag wieder loswurden.

Fondsmanager wie Wöhrmann stehen für einen Typus von Großanlegern, die in der Finanzszene als real money investors bezeichnet werden, weil sie "echtes Geld" von Sparern in verschiedene Vermögensformen kanalisieren. Das unterscheidet sie von risikofreudigen Spekulanten wie Hedgefonds.

Hedgefonds handeln in der Regel nicht direkt mit Staatsanleihen, sondern bevorzugen Credit Default Swaps (CDS). Das sind Papiere, mit denen sich ein Anleger für den Fall versichern kann, dass der Schuldner einer Anleihe nicht mehr zahlt. CDS sind also ein nützliches Instrument, weil sie Risiken begrenzen helfen. Man kann damit aber auch wetten. Spekulanten legen sich CDS zu, ohne dass sie irgendwelche Anleihen zu versichern hätten. Steuert ein Land auf eine Pleite zu, steigen die CDS stark im Kurs und bringen Gewinne. Solche Wetten mit ungedeckten Kreditausfallversicherungen wollen Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy verbieten . Die EU-Kommission prüft aber noch, ob das sinnvoll ist. Die Mehrheit der Fachleute hält allerdings nichts von einem solchen Verbot. "Das würde die Liquidität des CDS-Marktes empfindlich einschränken", sagt Carsten Lüdemann, Kapitalmarktexperte bei der DekaBank. Damit würde der Markt insgesamt schrumpfen und weniger Absicherungsmöglichkeiten bieten. Das aber würde vor allem schwächere Schuldner treffen. Auch der IWF wandte sich in einem Bericht gegen die Initiative von Merkel und Sarkozy: "Jüngste Vorschläge, ungedeckte CDS zu verbieten, könnten kontraproduktiv sein."