Dass er seine akademische Ausbildung nicht mit einem Bachelor in Kommunikationswissenschaften beenden würde, war für Christoph Kreileder schnell klar. Einen Master hatte er sich fest vorgenommen. Drei Zusagen hatte er am Ende seines Studiums an der LMU München auf dem Tisch liegen: aus Leipzig, aus Zürich und von der renommierten London School of Economics (LSE). "Ich wollte dahin gehen, wo ich fachlich das beste Studium bekomme", sagt er. Klar, alle drei Adressen seien außerordentlich gut für Kommunikationswissenschaften, aber die Kombination aus LSE und London, aus fachlicher Exzellenz und aufregender Metropole habe dann doch den Ausschlag für den einjährigen Master in der britischen Hauptstadt gegeben.

Viele machen es wie Kreileder. Sie nutzen die mit der Bologna-Reform eingeführte Schnittstelle zwischen Bachelor und Master zum Hochschulwechsel ins Ausland. Die britischen Masterstudiengänge stehen dabei hoch im Kurs, insbesondere weil viele nur ein Jahr dauern. 12.000 Deutsche zieht es jedes Jahr auf die Insel; Tendenz steigend. Wie viele davon einen Master machen, wird statistisch nicht erfasst. Die Schätzungen schwanken zwischen 2000 und 4000. Gemeinsam mit den Niederlanden und Österreich führt das Vereinigte Königreich regelmäßig die Rangliste der beliebtesten Gastländer deutscher Studenten an: 16,3 Prozent derjenigen Deutschen, die 2007 im Ausland studierten, taten dies laut OECD-Zahlen auf der Insel. Nach den Chinesen stellen die Deutschen an den britischen Hochschulen häufig die zweitstärkste Ausländergruppe. Allein die German Society an der LSE, die deutsche Hochschulgruppe, in der sich auch Christoph Kreileder engagiert, zählt rund 500 Mitglieder.

Experten erwarten, dass sich der Trend zum Auslandsmaster durch die vollständige Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse in den nächsten Jahren noch verstärken wird. "In den Diplom- und Magisterprogrammen studierten die meisten fünf Jahre oder mehr und orientierten sich dann direkt in Richtung Arbeitsmarkt. Jetzt fragt man sich nach drei Jahren Bachelor, wie es weitergeht. Für viele lautet die Antwort Hochschulwechsel", sagt Simon Wagnitz vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Und da Studenten sich heute über Auslandsaufenthalte im Wettbewerb untereinander profilieren wollten, mutmaßt Wagnitz, liege der Gedanke, den Master ganz im Ausland zu machen, nahe. "In einigen Fachbereichen wie den Geistes- und Sozialwissenschaften ist ein abgeschlossenes Studium keine Arbeitsplatzgarantie mehr", sagt der Bildungsexperte. Auslandsaufenthalte können da ein entscheidendes Distinktionsmerkmal sein, auch weil Unternehmen sie häufig von ihren Bewerbern einfordern.

Derart strategisch will Kreileder seine Hochschulwahl nicht verstanden wissen. In erster Linie habe ihn die akademische Exzellenz der LSE beeindruckt. Die zahlreichen Nobelpreisträger, die sie hervorgebracht hat; die namhaften Professoren; die hochrangigen Gastdozenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Dazu die Internationalität der Universität, die Spezialisierung auf Sozialwissenschaften und die akademische Kultur, in der es mehr Diskussion, mehr Streit und mehr Auseinandersetzung gebe, als er das aus seinen Münchner Seminaren gewohnt war. Dass sich der Name LSE auch im Lebenslauf gut macht und sich durch das Jahr in London wertvolle Kontakte in aller Welt ergeben, betrachtet Kreileder als positiven Nebeneffekt.