DIE ZEIT: Großbritannien hatte auch schon vor dem Bologna-Prozess Bachelor- und Masterstudiengänge. Was hat sich dort durch die Studienreform eigentlich verändert?

Heiko Walkenhorst: In der Tat hat die britische Regierung damit gerechnet, gar nichts machen zu müssen. Schließlich schien das Bachelor-Master-System nach dem angelsächsischen Vorbild konstruiert. Die britischen Hochschulen haben die Konsequenzen der Bologna-Reform grundsätzlich unterschätzt, und zwar in Bezug auf zunehmenden Wettbewerb und die Anpassung des eigenen Hochschulsystems an den Europäischen Hochschulraum.

ZEIT: Welche Konsequenzen hatte das?

Walkenhorst: Zunächst hat Kontinentaleuropa in Sachen Hochschulbildung Boden gutgemacht. Die Zahl der internationalen Studierenden in Großbritannien steigt nur noch leicht, viele Bewerber entscheiden sich für die kostengünstigeren Studiengänge in Deutschland, Skandinavien und den Niederlanden. Das ist für viele britische Hochschulen auch finanziell spürbar. Mittlerweile hat man auf der Insel erkannt, dass man europäische Konkurrenz auf dem globalen Bildungsmarkt bekommen hat. Und Deutschland wird als Hauptwettbewerber betrachtet.

ZEIT: Wie reagiert Großbritannien auf diese Situation?

Walkenhorst: Die Universitäten versuchen, sich dem Wettbewerb zu stellen. Sie haben sich den Formalitäten des Bologna-Prozesses gebeugt und Dinge wie das "Diploma Supplement" und das ECTS-Punktesystem eingeführt. Das hat ihnen nicht besonders wehgetan. Stärker gesträubt haben sie sich gegen die Einführung zweijähriger Masterprogramme. Die einjährigen Programme existieren aber weiterhin und machen das britische Hochschulsystem für Studierende aus aller Welt nach wie vor sehr attraktiv.