Mit guter Lehre macht man keine Karriere", sagt Bettina Jorzik vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und fügt nach kurzer Pause hinzu: "Noch nicht."

An den deutschen Hochschulen tut sich etwas. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat eine Art Exzellenzinitiative für Hochschuldidaktik versprochen. Auf der mit viel Getöse angekündigten Bologna-Tagung am Montag will sie vor Studenten, Hochschulrektoren und Landesministern ihre Pläne erläutern. Die Eckpunkte sind bereits seit einigen Wochen bekannt: Innerhalb von zehn Jahren sollen Dutzende von Standorten mit insgesamt zwei Milliarden Euro unterstützt werden – wenn sie sich an neue, innovative Lehrkonzepte herantrauen.

Ob das Milliardengeschenk von Schavan reicht, um die von Bologna genervten Studenten ruhigzustellen, ist zweifelhaft. Hinzu kommt: Dass die Lehre im Bewusstsein der Politik angekommen ist und nicht mehr nur im Schatten der Forschung steht, hat wenig mit Einsicht und viel mit dem Projekt zu tun, das sich Bettina Jorziks Arbeitgeber Ende 2008 ausgedacht hat: Der Wettbewerb Exzellente Lehre, vom Stifterverband zunächst auf eigene Faust und ohne staatliches Geld geplant, hat die Hochschuldidaktik erstmals aus ihrem Schattendasein geholt. Als mit "Bologna – Zukunft der Lehre" gleich noch eine Initiative gestartet wurde, diesmal finanziert von der Volkswagen- und Mercator-Stiftung, konnte die Politik gar nicht mehr anders, als zu reagieren.

Mittlerweile hat Schavan mit ihrer Initiative den Schwarzen Peter geschickt weitergeschoben – an die Bundesländer: Verbunden mit dem Hinweis auf die beiden nichtstaatlichen Vorgängerinitiativen fordert sie von den Ministerpräsidenten, sich gefälligst großzügig an dem Projekt zu beteiligen. Womöglich wird es ja bereits im Rahmen der Bologna-Konferenz erste Zusagen geben. Insofern ist die durch Jorzik und ihre Mitstreiter angestoßene Kettenreaktion Grund genug, sich die herausragenden Siegerkonzepte der beiden Wettbewerbe noch einmal genauer anzuschauen – werden die dort gemachten Erfahrungen doch die Ausgestaltung des Schavan-Programms entscheidend prägen.

Der Wettbewerb vom Stifterverband hatte das große Ganze im Blick: Prämiert wurden Projekte, die die Lehre einer Hochschule insgesamt besser machen sollen. Ein paar Beispiele:

Die TU München – die auch beim Exzellenzwettbewerb Forschung erfolgreich war – hat ein Freisemester für die Lehre eingeführt. Ein einfacher Kniff und doch eine kleine Revolution: Freisemester gab es an deutschen Universitäten bislang nur für die Forschung. Während des Lehr-Freisemesters werden in einem Kursus für Dozenten neue Methoden ausprobiert, weg vom Frontalunterricht beispielsweise. An die Reputation der Lehrenden hat die TU dabei auch gedacht, sie müssen ein wissenschaftliches Werk schreiben, in dem sie ihr Konzept vorstellen. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Die neuen Methoden werden so einem breiteren Publikum zugänglich; das ist in der Forschung längst Usus. Und die Professoren haben etwas für ihre Publikationslisten. "Klar ist, dass wir exzellente Forschung brauchen", sagt TU-Vizepräsident Professor Peter Gritzmann. Aber ohne gute Lehre gehe es nicht, "sonst schneiden wir den Ast ab, auf dem wir sitzen". Bei der Berufung müssen die Kandidaten deshalb ein Lehrportfolio präsentieren, das zeigt, dass sie sich Gedanken übers Unterrichten machen: Was sind ihre Methoden? Welche Ideen haben sie für künftige Kurse? Studenten werden zu Mitentscheidern: Die TU schickt sie an die Heimatunis der Bewerber, um Lehrveranstaltungen zu besuchen und der Kommission davon zu erzählen.

Die RWTH Aachen setzt an der Abbrecherrate an. Und die kann sich so gar nicht sehen lassen: Obwohl auch Aachen exzellent in der Forschung ist, schließen gerade einmal 40 bis 50 Prozent der Studenten ihr Studium an der RWTH erfolgreich ab. "Davon müssen wir weg", sagt Professor Aloys Krieg, Prorektor an der RWTH. Mit dem neuen Konzept hofft Krieg in Zukunft auf eine Erfolgsquote von 75 Prozent. Kernstück sind Studierfähigkeitstests, auf das Studium allgemein bezogen, und spezielle Studierfähigkeitstests, die zeigen, ob ein Bewerber einem Fach gewachsen ist. "Es geht nicht darum, Angst zu verbreiten", sagt Krieg. Vorkurse sollen Lücken schließen, die in den Tests sichtbar werden, hinzu kommen Mentoring-Programme: Im Maschinenbau beispielsweise treffen sich die Fachprofessoren dreimal pro Semester in Kleingruppen mit den Studenten, um über die Lehre und Probleme zu sprechen. In der Mathematik wird es Eins-zu-eins-Treffen geben, mit Lehrbeauftragten. "Wir müssen raus aus der Anonymität und den Studierenden das Gefühl vermitteln, dass wir wirklich an ihnen interessiert sind", sagt Krieg.