Am Fahrkartenautomaten

Mark Spörrle, mein Reisegefährte auf dem Weg von Berlin nach Palermo, ist ein sarkastischer Kritiker der Deutschen Bahn. Er hat mir gleich zu Beginn die Mängel des Berliner Hauptbahnhofs erklärt, eines Bahnhofs, den ich sofort samt Eurer vertrauenswürdigen Angela Merkel nach Italien importieren würde. 1100 Züge täglich! 14 Gleise auf vier Ebenen! Und Mark beschwert sich, dass das Hallendach die langen ICEs nicht ganz abdeckt und einige Fahrgäste beim Aussteigen im Regen stehen könnten! Was für eine glückliche Nation, die solche Probleme hat!, dachte ich. Dann versuchte ich, in diesem Bahnhof einen Fahrschein zu kaufen.

Liebe Landsleute, plant viel Zeit ein für die deutschen Fahrkartenautomaten! Das Verfahren ist langwierig und so kompliziert, dass man es wohl nur versteht, wenn man sich länger mit der kantischen Logik beschäftigt hat. Was tun, wenn die Leute hinter Euch ungeduldig mit den Füßen scharren, aber auf dem Automatenbildschirm nichts vorangeht? Am besten, Ihr lehnt theatralisch die Stirn an die Metalloberfläche des Automaten und brecht in Tränen aus. Wenn Ihr eine hübsche, brünette Florentinerin seid, wird dieses Manöver erfolgreich sein, dann eilt sogleich Hilfe herbei. Für einen Lombarden mit grau meliertem Haar bleibt der Automat eine Herausforderung.

Im Gespräch

Sollte es Euch also nicht gelingen, einen Fahrschein zu lösen oder sollte Euer Fahrschein nicht gültig sein, greift auf Eure südländische Kreativität zurück! Deutschland feiert demnächst 175 Jahre deutsche Eisenbahn. Am 7. Dezember 1835 fuhr die erste Dampflokomotive Adler von Nürnberg in den Vorort Fürth. Nutzt diese Information, um den Schaffner davon zu überzeugen, dass Ihr Bahnfanatiker seid. So dürfte es Euch gelingen, eine Geldstrafe zu vermeiden. Unter einer Bedingung: Sprecht laut und im Stehen, und bemüht Euch, ein wenig Deutsch in Euren Vortrag einfließen zu lassen. Was Giovanni – "Ich habe fertig!" – Trapattoni kann, könnt Ihr auch. Die deutsche Sprache ist lieblich und logisch, doch tut bitte so, als fändet Ihr sie hart und schwierig. Nichts rührt die Deutschen mehr als ein Ausländer, der "wahrscheinlich" nicht aussprechen kann.

Im Großraumwaggon

Eines dürft Ihr nie vergessen: Lautes Durcheinander ist dem deutschen Wesen fremd. Es schickt sich in Deutschland nicht, Privatangelegenheiten zur Unterhaltung aller ins Mobiltelefon zu plärren. Schaltet deshalb am besten den Signalton Eures Handys aus. Und vermeidet im Zug oder im Restaurant Gespräche, die länger dauern als zwei Sekunden. In dringenden Fällen solltet Ihr Euch zum Telefonieren auf dem Klo einschließen, nur so könnt Ihr verhindern, dass Euch die schweigende Missbilligung der anderen Gäste trifft. Toiletten in deutschen Zügen sind voll von unseren Landsleuten, die Liebes- oder Geschäftsgespräche führen.