ZEITmagazin: Herr Horsting, Herr Snoeren, haben Sie als Jungs mit Puppen gespielt?

Viktor Horsting: Ich hatte Barbiepuppen, keine Kinderpuppen. Das Kindliche fand ich nie anziehend.

Rolf Snoeren: Ich hatte auch Barbie – und Ken.

Horsting: Ken hat mich nie interessiert. Barbie fand ich sehr glamourös.

Snoeren : Ich habe für meine Barbie sogar Kleider geschneidert – und irgendwann habe ich sie angezündet, um zu sehen, wie gut sie brennt.

ZEITmagazin: Ihre Marke wurde kürzlich vom italienischen Modemagnaten Renzo Rosso gekauft. Sie kreierten Düfte wie Flowerbomb und Eau Mega für L’Oréal, jetzt sind Sie wieder bei den Puppen angelangt: Sie haben Kleider aus allen Kollektionen, die Sie in den letzten 15 Jahren gemacht haben, auf 55 Porzellanpuppen schneidern lassen.

Horsting: Wir lassen auch für alle Kollektionen Puppen machen. 

ZEITmagazin: Wie kamen Sie denn darauf?

Horsting: Die Londoner Barbican Art Gallery wollte voriges Jahr eine Retrospektive zeigen. Wir suchten nach einem Weg, nicht nur ein paar Kleider, sondern unser ganzes Werk darzustellen. Da kamen wir auf die Idee, das Modehaus Viktor & Rolf als Puppenhaus zu inszenieren.

Snoeren: Außerdem sind die Puppen für uns wie Ikonen unserer Arbeit. Sie sind unser Archiv.

Um zur Fotostrecke über die Puppen von Viktor & Rolf zu gelangen, klicken Sie hier © Viktor & Rolf

ZEITmagazin: Ihre Puppen sind 70 Zentimeter groß. Wirkt Ihre Mode daran anders?

Snoeren:
Viel intensiver! Das sind Konzentrate unserer Ideen.

ZEITmagazin: Wie passen Mode und Puppen zusammen?

Snoeren: Unsere Mode hat viel mit Puppen zu tun. Wir schminken die Models bei unserer Show so, dass sie puppenhafte Gesichter bekommen. 

ZEITmagazin: Weil Sie nicht wollen, dass sie aussehen wie echte Frauen? 

Snoeren: Genau, wir möchten nur unsere Träume auf sie projizieren. Sie sollen Teil unserer Story sein und nicht...

Horsting: ...ein Model ist ja nie eine reale Frau, es ist eine Leinwand, auf der ein Designer sich verwirklichen möchte.

ZEITmagazin: Models sind Puppen, und Sie sind die Puppenspieler?

Horsting: Genau: Auf unserer Website zeigen wir einen Clip unserer letzten Show. Am Ende treten wir auf die Bühne wie zwei Puppenspieler.

Snoeren: Es hat viel mit Kontrolle zu tun. Mit der Mode haben wir uns eine eigene Welt geschaffen – in der alles nach unseren Regeln abläuft.