Die Frage: Gisela und Frank sind seit Kurzem ein Paar. Davor war Gisela, die 30 ist, ein halbes Jahr Single. Sie ist das einzige Kind von sehr fürsorglichen Eltern. Im Frühjahr kommt die Mutter, die einen Schlüssel zu Giselas Wohnung hat, und bepflanzt die Blumenkästen auf dem Balkon. Gisela ist das eigentlich nicht recht, aber sie will der Mama keinen Stress machen. Frank ist zwei Jahre jünger als Gisela, Rettungssanitäter und ganz anders als ihr Verflossener, ein Anwalt, den ihre Eltern mochten. Am liebsten würde Gisela ihren Eltern gar nichts von Frank erzählen. Aber Bekannte der Eltern haben sie mit Frank gesehen. – "Wie heißt denn dein neuer Freund?", fragt die Mutter. "Das verrate ich nicht", sagt Gisela. Hinterher kommt sie sich kindisch vor. Sie will ihre Mutter nicht verletzen, aber sie will sich auch nicht rechtfertigen müssen.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Diese Szene erinnert mich an den Sponti-Spruch: "Die Eltern wollen unser Bestes. Aber das kriegen sie nicht!" Als Einzelkind hat sich Gisela vielleicht schwergetan, ihren Eltern eine normale Adoleszenz mit Revierkämpfen zuzumuten. Wenn diese ausgestanden sind, wird die Beziehung wieder herzlich, kein Eiertanz, wie es der Kontakt zwischen Gisela und ihrer Mutter ist.

Eine 30-Jährige kann sich mit der Mama vielleicht nicht mehr so fetzen wie eine 15-Jährige. Aber ein offenes Gespräch über Reviergrenzen ist angezeigt, wenn Tochter und Mutter wieder einen unbefangenen Kontakt gewinnen wollen. Gisela muss klarmachen: Mein Balkon, meine Wohnungsschlüssel und mein Freund sind meine Sache – und wo du dich einmischst und meine Gefühle nicht achtest, bleibe ich stumm.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

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