Vom griechischen Olymp aus sieht NRW mit seinem verquasten Wahlausgang winzig aus, jedenfalls im Vergleich zur Finanzkrise II, die am Montagmorgen offiziell ausgerufen wurde. Die Finanzkrise I begann mit dem Fall des Hauses Lehman am 15. September 2008; am Montag haben EU und Weltwährungsfonds in der FK II formal den Krieg erklärt. Der Euro werde verteidigt, "koste es, was es wolle".

Ursprünglich wurden 45 Milliarden Euro, dann 110 und jetzt 750 Milliarden in die Schlacht geworfen. In der zweiten Verteidigungsstaffel steht die EZB, die nun tun will, was eigentlich genauso verboten ist wie der "Bail-out": flaue Staatsanleihen direkt aufkaufen und so Liquidität in das globale Finanzsystem pumpen. Aus der kleinen griechischen Krise ist ein großer Krieg gegen etwa 40 Billionen Dollar an Staatspapieren geworden, die (geschätzt!) tagtäglich um die Welt jagen.

Die erste Reaktion des Feindes, der "Märkte", war wie aus dem Lehrbuch: In Asien gingen die Indizes nach oben, dito der Euro. Wer aber die "Eskalationsdominanz" besitzt, wird man erst in den nächsten Wochen erkennen. Denn die 750 Milliarden sind virtuell, die Schwächen Griechenlands und der anderen PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Spanien) sind real. Sie alle haben über ihre Verhältnisse gelebt; fast alle haben ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren; Spanien, Portugal und Hellas müssten brutale Marktreformen durchpeitschen, die sie jahrzehntelang verweigert haben.

Griechenlands Staatsschuld wird trotz austerity (wenn sie denn durchgezogen wird) in den nächsten drei Jahren von 108 auf 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wachsen; das Land bleibt ein Sozialfall, so denn die Pleite vermieden werden soll. Dennoch war die Kriegserklärung vom Montag richtig – so wie es im Rückblick falsch gewesen ist, Lehman sterben zu lassen.

Die Verteidigungsstellung könnte jedenfalls bis Jahresende halten. Bis dann muss Athen 16, Portugal 17,5, Spanien 75 fällig werdende Milliarden Euro zurückzahlen (Italien ist mit knapp 230 eine viel größere Nummer). Um die Inflation kümmern wir uns später, das ist der nächste Krieg. Fürs Erste ist und bleibt entscheidend, dass wie im Herbst 2008 geklotzt wird, und zwar weltweit.

Hat Merkel Schuld, weil sie so lang dem Ruf zur Fahne getrotzt hat? Demokratische Regierungen ("was wird aus unserem Geld?") handeln grundsätzlich erst dann, wenn es fast zu spät ist, und es bleibt das von Merkel zu Recht gefürchtete Problem des moral hazard, der Alimentierung der Verantwortungslosen. Es bleiben auch die massiven Ungleichgewichte, die alles andere als virtuell sind. Die gewaltigen deutschen Exportüberschüsse sind leider Teil des Problems. Die PIIGS müssten den Gürtel enger schnallen, die Deutschen ihn lockern – durch Steuersenkung und Konsumlust.

Hier aber kollidiert die große Krise mit dem kleinen NRW, sprich: mit dem Ende der schwarz-gelben Vorherrschaft im Bundesrat sowie aller Steuersenkungsträume. Selbst wenn sie es wollte, könnte die Chefin der Nummer eins in Europa nicht mehr die Führung übernehmen. Hellas ist vorerst gerettet, Europa noch lange nicht.