Als Pablo Picassos Akt mit grünen Blättern und Büste vergangene Woche bei der Versteigerung im Auktionshaus Christie’s in New York kurz vor einem neuen Weltrekordpreis stand, wanderten die Augen des Auktionators Christopher Burge hektisch zwischen dem Publikum in der Mitte und seinen Kollegen an der Seite des Saals hin und her. Einige von ihnen hatten gleich zwei Telefone am Ohr. Der Kunsthandel ist nach wie vor eine diskrete Angelegenheit. Wer 106 Millionen Dollar für ein einziges Gemälde ausgibt, möchte dabei nicht unbedingt gesehen werden: Jemand könnte ja auf falsche Gedanken kommen.

Was liegt da näher, als das Geschäft mit den richtig teuren Bildern auch diskret und unsichtbar über das Internet zu betreiben? Erste Versuche in den 1990er Jahren scheiterten zwar, weil die Auktionshäuser auch von ihrem Mythos und von ihrer Atmosphäre leben. Schließlich erwirbt, wer viel Geld für ein Kunstwerk ausgibt, damit auch Bedeutung. Er möchte dafür entsprechend behandelt werden, möchte das Bild vorher in einer Einzelaudienz vorgestellt bekommen, seine Geschichte hören, über seinen Rang informiert werden – in entsprechendem Ambiente, mit Champagner, nicht am Bildschirm mit Mausklick. Und das Internet galt damals als unsicher, als einziges technisches Hilfsmittel wurde bei Auktionen jahrzehntelang nur das Telefon akzeptiert.

Inzwischen allerdings ist die Internettechnologie so weit fortgeschritten, dass Christie’s seinen Kunden seit Neuestem anbietet, online mitzusteigern. Natürlich funktioniert das entsprechende kostenlose Programm auch auf dem iPhone und auf anderen Smartphones. In Sekundenschnelle wird auf dem kleinen Bildschirm das gesamte Angebot von Christie’s verfügbar. Die Abbildungen mit Maßen, Provenienz und Ausstellungen haben eine gute Auflösung. Und ebenfalls verfügbare Ergebnislisten zurückliegender Auktionen ermöglichen Preisvergleiche. Bei Christie’s Picasso-Auktion sei, so eine Sprecherin, allerdings kein Onlinebieter im Spiel gewesen: "Da wurde ganz normal telefoniert." Aber auch das erledigt die Mehrzahl des internationalen Kunst-Jetsets inzwischen mit dem iPhone.