Als ob es nicht Hunderttausende Menschen in aller Welt gäbe, die für einen dieser Jobs alles tun würden: Filmstar, Popstar, Supermodel, Superheld. Doch immer häufiger werden Spitzenpositionen in diesen Tätigkeitsfeldern von Puppen besetzt.

Die Verpuppung der Popkultur blieb lange unbemerkt, sie ist ein schleichender Prozess. Puppen hat es schließlich immer gegeben, in allen Epochen, auf allen Kontinenten. Aber noch nie waren sie so präsent in der Öffentlichkeit wie heute. Sind sie etwa talentierter, schöner, charismatischer als ihre menschlichen Kollegen? Oder sind Puppenstars einfach nur billiger, genügsamer, belastbarer?

Neben unseren Titelhelden aus dem Kinofilm Der fantastische Mr. Fox haben sich in den USA auch die Kunstfiguren des Horrorfilms Coraline als Kassenmagneten – na ja: entpuppt. In einem aktuellen Cola-light-Werbeclip tanzen Marionetten durch ein schickes Großraumbüro: modebewusste Karrierefrauen, zwar fremdbestimmt von irgendwelchen Strippenziehern, dafür sehen sie fantastisch aus. Längst lassen Puppen renommierte Modedesigner für sich arbeiten: Ganz offiziell für Barbie entwerfen zu dürfen gilt als besondere Ehre, zuletzt, im Dezember 2009, wurde sie Christian Louboutin zuteil.

Das Kuschelwesen Flat Eric, das vor zehn Jahren durch mehrere Musikvideos und eine Levi’s-Kampagne zur Kultfigur wurde, hopst wieder durch das Internet. Die bahnbrechende Band Gorillaz verbirgt sich auch nach ihrem dritten Album Plastic Beach, das kürzlich erschienen ist, hinter vier Comicfiguren, die bei ihren seltenen Liveauftritten als 3-D-Hologramme auf die Bühne geschickt werden. Die Knetpuppen Wallace & Gromit: weltberühmte Film- und Fernsehikonen und hoch dotierte Werbeträger. Und bald will sich sogar Bernd das Brot, der lethargische Anti-Clown des Kinderkanals, zu seinem ersten Kinofilm aufraffen.

Die Popkultur wird immer mehr zur Puppkultur. Ein wichtiger Wegbereiter in den sechziger Jahren – nachdem eine King-Kong-Puppe bereits 1933 New York sehr unsicher gemacht hatte – war die äußerst charmante und britische Fernsehserie Thunderbirds are go, lauter kleine Science-Fiction-Thriller, so rumpelig wie die Augsburger Puppenkiste. 1987 drehte der Regisseur Todd Haynes den Film Superstar: The Karen Carpenter Story über den Tod der amerikanischen Sängerin. In diesem knapp 45-minütigen Werk werden alle Rollen von Barbiepuppen gespielt.

Ende der Neunziger schickte MTV in der Serie Celebrity Deathmatch jeweils zwei Stars in den Ring, in Gestalt von Knetfiguren, zu einem seltsamen Kampf um Leben und Tod: Von Bono bis Yoko Ono, von Sean Penn bis Claudia Schiffer kamen alle einmal dran, 103 Folgen lang starb am Ende jeweils eine Promipuppe eines bizarren Todes. In der Serie explodierte, was sich ganz offensichtlich an Ressentiments gegenüber den berühmtesten Menschen der Welt angestaut hatte.