Das Problem im Fall Lehman Brothers wie auch im Fall des Euro: Es lässt sich kaum sagen, ob Hedgefonds lediglich als Erste die strukturellen Probleme erkennen und formulieren – oder ob sie den Niedergang mit ihren Deals erst heraufbeschwören. Wetten sie gegen einen Finanzwert, so zählt zu ihren Praktiken insbesondere der Leerverkauf, bei dem sie sich Papiere leihen, diese veräußern und hoffen, sie zu niedrigerem Kurs wieder kaufen und zurückgeben zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis ist ihr Profit. Ungewiss bleibt, ob sie schlicht die Marktentwicklung nutzen oder ob sie den Kurs überhaupt erst nach unten treiben, insbesondere wenn einige von ihnen parallel die gleichen Deals tätigen.

Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise Ende 2008 wurden Leerverkäufe vielfach vorübergehend verboten, ein klarer Beweis für ihren schädlichen Charakter steht bisher jedoch aus. Und so sehen manche in Hedgefonds weiter ein wichtiges Korrektiv im Kampf gegen Übertreibungen und Blasen, andere hingegen kritikwürdige "Spekulanten". John Paulson etwa, der mit Wetten gegen den Immobilienboom in den USA persönlich mehrere Milliarden Dollar verdiente , gilt Ersteren als Held, Letzteren als fragwürdiger Krisenprofiteur. Sie sehen sich durch jüngst bekannt gewordene Ermittlungen bestätigt, in denen es um Geschäfte der Bank Goldman Sachs geht, an denen Paulson beteiligt war. 2009 spekulierte Paulson insbesondere gegen britische Banken, in diesem Jahr soll auch er zu den Widersachern des Euro zählen.

Wer gegen Griechenland wettet, mit wie viel Geld, das weiß niemand genau

Gerüchte letztlich auch dies, denn wer gegen Griechenland oder den Euro wettet, mit welchen Beträgen und mit welchem Effekt – das weiß niemand genau. Verantwortlich für den Donnerhall, der Hedgefonds selbst im Ringen mit Staaten vorauseilt, ist George Soros, der Mann hinter Soros Fund Management – einer der Fonds, die bei dem New Yorker "Ideendinner" vertreten waren. Soros hielt Anfang der neunziger Jahre das britische Pfund für überbewertet, wettete dagegen und zwang die Bank of England in die Knie. Großbritannien musste das Europäische Währungssystem verlassen, Soros hingegen konnte, so will es die Branchenfolklore, eine Milliarde Dollar einsacken. Inzwischen tritt er öffentlich vor allem als Sponsor und Philosoph auf, doch wenn er wie im Februar den "Euro zerfallen" sieht, registriert die Finanzwelt das sehr genau.

Ähnliches gilt für John Taylor, Chef des mit neun Milliarden Dollar angeblich größten Hedgefonds im Devisenmarkt, FX Concepts. Taylor zeigte sich regelmäßig pessimistisch, wenn es um den Euro ging. So sagte er Ende März, dass der Wechselkurs des Euro bis August auf 1,20 Dollar fallen werde, die europäische Währung könne nicht in bisheriger Form weiterexistieren. "Einige dieser Kerle müssen hinausgeworfen werden", sagte er über die Währungsunion, ohne Griechenland namentlich zu nennen. Hedgefonds wie den beim Abendessen im Februar versammelten sprach er generell ab, den Eurokurs beeinflussen zu können, sie seien zu klein. Vergangene Woche dann verglich er den Euro mit einem geköpften Huhn, "das für einige Minuten kopflos umherrennt, bevor es umkippt und stirbt", er sei "am Ende" und Europa "tot", so Taylor. "Auf Wiedersehen Euro, hallo Drachme, Peseta, Lira und andere."

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