Giulietta Masina und Federico Fellini, Siri Hustvedt und Paul Auster – es gab und gibt immer wieder Männer und Frauen, die als Liebespaar füreinander bestimmt schienen beziehungsweise scheinen. Weil sie sich kreativ so inspirieren, dass man rätselt, wer von beiden denn nun den tragenden Part spielt. Auch bei ihr und ihrem Mann war es so. Anfangs war er noch das "Zugpferd", doch nach und nach erwies sie sich als ihm ebenbürtig. Im Rückblick zumindest lässt sich keiner der beiden ohne den anderen denken. "Ich war nie glücklich, bis ich sie traf", soll er gesagt haben. Dabei steckte er zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren in dritter Ehe, die freilich schon zerrüttet war.

Exakt acht Tage nach seinem Termin beim Scheidungsrichter gaben sich die zwei das Jawort. Damit waren die Verhältnisse geklärt und beider Leben offiziell miteinander verknüpft. Beruflich sah man sie nun häufiger gemeinsam – bis ihr erstes Kind zur Welt kam. Nun rückte das Privatleben ganz in den Vordergrund, Fotos kündeten von purer Harmonie: Die Familie saß strahlend lächelnd vorm Kamin. Gutbürgerliche Tradition mit klassisch verteilten Rollen, ein Bild, zu dem sie sich bekannte. "Wenn mein Beruf sich nicht mit unserem Familienleben in Einklang bringen lässt, gebe ich ihn auf", tat sie kund. "Ich glaube, eine Ehefrau sollte zu Hause sein…um dafür zu sorgen, dass der Haushalt richtig geführt wird."

Solche Aussagen fanden jene, die den Beginn der Lovestory miterlebt hatten, durchaus etwas befremdlich. Schließlich hatte er sich ursprünglich in eine starke und unabhängige Frau verliebt – ein Image, das sie am Anfang ihrer Laufbahn aufbauen konnte, weil es zu ihrer Aura und auch zum aktuellen Zeitgeist passte (der dann allerdings nicht von Dauer war). Und nun die Papa-Mama-Kind-Inszenierung – konnte das gut gehen? Aber wer möchte behaupten, dass das damals nicht doch ihrer Überzeugung entsprach? Seiner Einstellung gegenüber Frauen jedenfalls begegnete das einstige Fotomodell mit einer Mischung aus Souveränität, Akzeptanz und einer Prise mädchenhafter Naivität: "Er denkt, Frauen seien Unruhestifter…er meint, die meisten Frauen seien zu sehr mit sich selber beschäftigt… Ich glaube, deshalb ist er nie ein Schürzenjäger geworden."

Und es ging wohl wirklich gut mit den beiden, bis er schwer erkrankte. Zuletzt war er an Bett und Rollstuhl gefesselt, ein Schatten seiner selbst. Und sie musste erneut ihre Stärke und Autonomie beweisen. Ein Image, das der jungen, schönen Witwe fortan erhalten blieb, unabhängig davon, wie brav sie sich als Frau an seiner Seite geäußert hatte. Später feierte sie manchen beruflichen Erfolg und heiratete ein zweites Mal. Wieder war es ein Kollege, doch die Ehe hielt nur kurz.

Ob sie damals bereits ahnte, dass sie die Liebe ihres Lebens um ein halbes Jahrhundert überleben würde? Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 19:
Gordon Matthew Sumner, geboren 1951 in Wallsend bei Newcastle, erwarb sich seinen Namen Sting (Wespe) durch einen gelb-schwarz gestreiften Pullover, den er als Sänger der Amateurband Last Exit trug. Der Drummer Stewart Copeland animierte ihn zur Gründung von The Police. Das Trio startete mit mehreren Singles in den Hitlisten. 1985 begann er seine Solokarriere, engagierte sich für den Regenwald und die Menschenrechte, spielte mit Jazzmusikern, Instrumentalisten aus Nordafrika und Asien und zelebrierte die Songs der "Dreigroschenoper". "The Soul Cages" (1991) beschreibt seine Selbstanalyse, "Mercury Falling" (1996) sein Verhältnis zu Stil-Anleihen, und auf "Songs from the Labyrinth" (2006) interpretiert er Lieder des Komponisten John Dowland