Weil Uhren sehr oft einfach wie Uhren aussehen, sind die Hersteller seit Langem bemüht, ihre Produkte mit dem Flair anderer Welten zu versehen. So sind Uhrenmarken oft Sponsoren von Gesellschaftsereignissen. TAG Heuer sponsert die Formel 1, Hublot engagiert sich bei der Regatta America’s Cup, Jaeger-LeCoultre unterstützt Polo-Turniere. Weil Uhren sich eben nicht nur nach Uhren anfühlen sollen, sondern nach Rennwagen, Segelbooten und schnellen Pferden.

In jüngerer Zeit sollen Uhren auch Kunstwerke sein. So hat die Manufaktur Rolex ein aufwendiges Mentorenprogramm aufgelegt, bei dem etablierte Regisseure, Choreografen und Maler ein Jahr lang mit jungen Talenten zusammenarbeiten.

Nun kontert die Konkurrenz vom Swatch-Konzern. Im Zentrum von Shanghai hat die Swatch Group ein ganzes Hotel für die Kunst eröffnet. Ein Teil eines historischen Gebäudes, des ehemaligen "Peace Hotels", das 1906 erbaut wurde, wurde für 30 Jahre gepachtet und von Grund auf renoviert. Nun öffnet darin das "Swatch Art Peace Hotel".

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Es ist wohl das erste Hotel, in dem man so gut wie keine Zimmer buchen kann. Nur einige Luxussuiten werden für Gäste des Hauses bereitgestellt. Der Großteil des Gebäudes wird der Kunst gewidmet sein. Künstler aus China und der ganzen Welt sollen ab August jeweils für mindestens drei Monate in eigens für sie eingerichteten Apartments und Ateliers leben. "Wir möchten damit Künstlern eine Gelegenheit geben, sich auszuleben", sagt Swatch-Group-Chef Nick Hayek. Pro Jahr will er 40 Künstlern ein neues Refugium geben. Die Auswahl trifft eine Jury, der neben Kunstexperten auch der Schauspieler George Clooney angehört. Man kann sich über die Website www.swatch-art-peace-hotel.com um ein Stipendium bewerben. Den Künstlern wird Reise und Logis gestellt.

Ganz umsonst ist der Aufenthalt allerdings nicht. "Wir möchten, dass jeder Künstler uns eine Spur seines Wirkens hinterlässt." Daraus soll eine Sammlung aufgebaut werden. "Das Kunstwerk kann auch gerne eine Swatch sein", präzisiert der Chef. Schließlich hätten auch schon Künstler und Designer wie Keith Haring und Vivienne Westwood Uhren für das Unternehmen gestaltet. Damit würden als Nebeneffekt für den Konzern in Shanghai tatsächlich Kunstwerke entstehen, die man am Handgelenk tragen kann.