Träume sind für mich der Dampfer auf dem Weg in den Hafen der Hoffnung. Das Leben ist das Bermudadreieck.

Mein Leben ist ein Albtraum. Alles Mist. Oberdoppelriesenmist. Eigentlich hoffe ich immer nur, dass es nicht noch schlimmer kommt. Aber es wird schlimmer. Viel schlimmer. Schlimmerschlimm eben. Gestern dachte ich, der schlimmste Tag wäre gestern gewesen. Heute muss ich feststellen, dass gestern im Vergleich zu heute ein Zuckerschlecken war. Ich will gar nicht daran denken, was morgen ist. Oh, ich hab es doch getan. Mist.

Schlafen ist auch nicht besser. In einem ständig wiederkehrenden Traum lauern mir Hänsel und Gretel im Wald auf, zerbröseln mich und markieren mit mir den Weg nach Hause. Mein schrecklichster Albtraum ist, nach so einem Traum aufzuwachen und festzustellen, dass es eben keiner war.

In meinen weniger schlimmen Träumen sitze ich auf meiner grauen Couch, vor mir ein Schwarz-Weiß-Fernseher. Dort läuft Deutschlands langweiligste Bahnstrecken. Neben mir ein Mehlsuppencocktail mit einem Schuss Ingwer. Das alles in einem fensterlosen Raum ohne Tür, tapeziert in Raufaser. Dann starre ich die Südwand an und lerne das Muster auswendig.

Ich sehne mich nach mehr vom Weniger. Nach Ruhe. Vor allem vor den anderen. Ein kluger Mann hat mal gesagt: Die Hölle sind die anderen. Er hat recht. Meine Hölle sind ein beklopptes Schaf, eine Art rot-gelber, lauter Schemen. Und ein Busch, irre, grün, raschelnd und laut.

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Ein Albtraum, vor allem da wir zusammenwohnen. Ich könnte gar nicht genau sagen, welcher von beiden der Alb ist. In jedem Fall ist keiner ein Traum. Jedes Jahr träume ich aufs Neue davon, dass sie meinen Geburtstag vergessen. Leider vergeblich.

Blöderweise muss ich mit den beiden auch noch arbeiten. Mein Job ist die Hölle. In Bunt.

Wenn ich nicht gerade mit einer der Erfindungen vom irren Busch in die Luft fliege, trage ich vor der Kamera alberne Kostüme. Ich war Brotwittchen in dem gleichnamigen Märchen. Und Madame Pompadour. Und dann dieses rosa Osterhasen-Kostüm. Das ist mindestens so demütigend, wie es juckt.

Man zwingt mich zur Arbeit. Man hat mir schon damit gedroht, eine Kindertagesstätte mit Fingerfarben auf meine Wohnung loszulassen. Und seit Neuestem drohen sie mir mit Enten. Das alles ist mehr, als ein einzelnes Brot verkraften kann. Wäre meine Arbeit eine Kugel, ich würde das Runde daran hassen. Mein Fluchtversuch aus diesem Albtraum ist leider schon oft genug gescheitert. Zum Beispiel hatte ich ein Apartment in Burkina Faso gemietet und mich selbst per Luftpost dahin verschickt. Man fand mich und brachte mich zurück. Jemand hatte geplaudert. Und zwar ich. Im Schlaf. Mist. Eine gelungene Flucht ist wohl mein größter Traum. Oder nach dem Aufwachen noch mal aufzuwachen ... das wäre fast ... schön.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

Zu hören unter www.zeit.de/audio